Es war von vornherein klar, welche Position eine Wochenzeitung WOZ, das erfreulich vitale linke Pièce de résistance in der Schweizer Medienlandschaft, in den Fragen rund um liberalen Waffenbesitz für Freizeit- und Sportschütz/-innen beziehen würde. Wir wollen der WOZ und dem Autor Raphael Albisser aber dennoch zum Artikel gratulieren, auch das Foto von Fabian Biasio ist gut beobachtet und nicht ohne Humor. Der lesenswerte Kommentar auf der Titelseite von Jan Jirát ist scharf, aber fair (nicht online verfügbar).

Das Recht auf freie Meinungsäusserung und das Recht auf Pressefreiheit sind unbestritten wichtigste Säulen unserer Gesellschaft. «Unsere Seite» zählt weiter auch das Recht auf privaten Waffenbesitz dazu, die «andere Seite» nicht. Das ist durchaus in Ordnung so.

Wenn alle Artikel zum Thema so seriös angegangen und alle Meinungen so seriös gebildet würden, gäbe es die aktuelle Debatte in wahrscheinlich deutlich konstruktiverer Form. Das ist auch ein Zeichen an die Demokratie, sich für den Diskurs und gegen das Diktat auszusprechen. Raphael Albisser nahm sich weit über zwei Stunden Zeit für das wohl für «beide Seiten» interessante und offene Gespräch, besuchte danach die Waffenbörse in Luzern und schrieb dann in ausgezeichneter Sprache seinen Artikel. Die Kommunikation und der Autorisierungsprozess waren makellos – beharrlich, wo es um journalistische Freiheit ging, einsichtig wo es um persönliche Anliegen des Zitierten ging. Albissers Text ist natürlich mit deutlichem Duktus und klarem Statement, so soll es für die linke WOZ sein – aber eben auch so, wie es sich für einen guten Journalisten gehört. Bravo.

Wir leben in einer direkten Demokratie, die jeder und jedem Wege zur Mitbestimmung bietet. Die Schweiz lebt vom Diskurs, nicht vom Diktat. Auch oder gerade, wenn es ums Waffenrecht geht. Deshalb muss der Bundesrat das EU-Diktat vollumfänglich zurückweisen und das Berner-Diktat gar nicht erst in Betracht ziehen.

Es macht einem fast einwenig Angst, zugeben zu müssen, dass der qualitativ hochwertigste Artikel während der letzten zwei Wochen Medienhype soeben von der WOZ, also von der «Gegenseite» publiziert wurde. Es soll ein Ansporn an die bürgerlichen Medien sein, gleiches Niveau (dagegen) zu halten.

Und es soll ein Hinweis an die Gassenhauermedien sein, die je nach Wind einmal nach rechts und einmal nach links flattern, sich ein Beispiel an der WOZ zu nehmen. Ja, Watson darf sich gerade heute wieder ausdrücklich mitgemeint fühlen.

 

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