Leider wird die aktuelle Diskussion um die EU-indizierte Schweizer Waffengesetzverschärfung zum Vehikel, Pro- und Contra-Lager des weiterhin liberalen Waffenrecht gegeneinander aufzuhetzen. Komplett unnötig, denn die EU-Feuerwaffenrichtlinie will und kann nicht den privaten Waffenbesitz in der Schweiz verbieten.

Sie kann – selbst wenn Sie mit aller Härte durchgesetzt würde – höchstens ein weiteres Scheibchen vom aktuellen Recht abschneiden. Selbstverständlich ist das inakzeptabel, denn die Kosten würden in keinem Verhältnis zum Ergebnis stehen und ausschliesslich jene treffen, die man bereits heute mit dem Waffenrecht erreicht. All jene, die hoffen, damit würden endlich die Schweizer Sturmgewehre und Pistolen aus Schränken, Kellern und Estrichen verbannt, liegen grundfalsch.

Wichtig scheint, auf eine Handvoll Zahlen zu verweisen und sich zu überlegen, ob der finanzielle und administrative Aufwand einer Umsetzung der EU-Feuerwaffenrichtlinie sich mit ihnen in ein sinnvolles Verhältnis bringen lässt. Vorweggenommen: Wohl kaum.

1.
Mit Abstand gefährlichste Waffe: Der menschliche Körper. Gefolgt von Messern. Fallzahlen mit Schusswaffen: vergleichsweise gering.

Die Kriminalstatistik 2016 liefert ganz aktuell sehr interessante Zahlen, bei deren Betrachtung man sich schon fragen muss, warum Legalwaffenbesitzende im Fokus der Gesetzgeber und Medien stehen:

Tötungsdelikte mit Schneid-/Stichwaffe: 95;
Tötungsdelikte mit Körpergewalt: 40;
Tötungsdelikte mit Schusswaffe: 36;
Tötungsdelikte anderes Tatmittel 15;
Tötungsdelikte mit Schlag-/Hiebwaffe: 11;
Tötungsdelikte: Insgesamt rund doppelt so viele geschädigte Männer als Frauen.

Schwere Körperverletzung mit Körpergewalt: 309;
Schwere Körperverletzung mit Schneid-/Stichwaffe: 106;
Schwere Körperverletzung anderes Tatmittel: 136;
Schwere Körperverletzung mit Schlag-/Hiebwaffe: 35;
Schwere Körperverletzung mit Schusswaffe: 16;
Schwere Körperverletzung: Insgesamt rund drei Mal mehr geschädigte Männer als Frauen.

Raub mit Körpergewalt: 988
Raub mit Schneid-/Stichwaffe: 350
Raub mit Schusswaffe: 231
Raub mit verbaler Drohung: 71
Raub mit anderen Tatmitteln: 57
Raub mit Schlag-/Hiebwaffe: 37

Nur ein Fünftel der Tötungsdelikte (inkl. Versuche) wurden mit einer Schusswaffe und über 50% mit einer Schneid-/Stichwaffe verübt. Bei den schweren Körperverletzungen hingegen überwog die reine Körpergewalt (50,4%). Die Anzahl der mit einer Schusswaffe verübten Tötungsdelikte (inkl. Versuche) liegt mit 47 Straftaten leicht über dem Mittelwert der letzten Jahre (41 im Durschschnitt zwischen 2009-und 2015, mit einem Maximum von 51 im Jahr 2009 und einem Minimum von 18 im Jahr 2014). Dies obwohl der Legalwaffenverkauf in den letzten Jahren markant angestiegen ist!

2.
Jährlich aus privat aufbewahrten, in der Freizeit verschossene Patronen: Mindestens 4 bis 5 Millionen, wahrscheinlich deutlich mehr.

Basis: ca. 130’000 Schütz/-innen à 18 Schuss am Feldschiessen, mind. 50’000 Schütz/-innen à 20 Schuss am Obligatorischen (wahrscheinlich mehr), mind. 1–2 Millionen an weiteren Schützenfesten und im Freizeitschiessen (wahrscheinlich deutlich mehr). Am Rande als Vergleich, Anzahl Autos in der Schweiz: 5.5 Millionen.

3.
Privat aufbewahrte Schusswaffen in der Schweiz: 1 bis 3.5 Millionen. Ja, Millionen!

Es gibt keine exakten Zahlen hierzu, lediglich Mutmassungen, deshalb der grosse Zahlenbereich. Wichtig ist aber das Wort «Millionen».

4.
Verletzte im Strassenverkehr 2016: 20’132. Verletzte im Freizeit- und Sportschiessen: In der Schweizer Unfallstatistik keinen Eintrag wert.

Hier ist jeder weiterer Kommentar unnötig, diese Zahlen sprechen für sich. Die einzige, zu diesem Thema gefundene Statistik weist in den Jahren 2010–2012 jährlich rund 10 «Non-fatal Gun Injuries» aus. Typische Verletzungen beim Schiesssport sind Ohren- und Augenschäden, sowie Verstauchungen – nicht etwa Schussverletzungen!
https://www.astra.admin.ch/astra/de/home/dokumentation/unfalldaten.html
http://www.unfallstatistik.ch/d/publik/unfstat/pdf/Ts16.pdf#page=65
http://www.gunpolicy.org/firearms/region/switzerland

 

Um Gesetze zu verschärfen braucht es gute Gründe, nicht «Angst vor Terror». Um Gesetze zu verschärfen, braucht es ein Bedürfnis, das der Gesellschaft dient. Das heutige Waffengesetz bietet allen Beteiligten genügend Spielraum. Den Behörden, um Waffenmissbrauch einzuschränken und den Sport- und Freizeitschütz/-innen um ihre Waffen zu besitzen und zu schiessen. Bei der EU-Feuerwaffenrichtlinie geht es nicht um ein «Verbot von Waffen in Privatbesitz», hier geht es nur darum, Politiker/-innen eine Plattform zur Profilierung zu bieten, sie hätten gezielt etwas gegen Terrorismus getan. Treffen werden Sie aber uns Freizeit- und Sportschütz/-innen und unsere Administration, die mit riesigen Aufwänden konfrontiert werden wird. Und den Steuerzahler. Ins Mark.