Die Pressemitteilung der GSoA erinnert ein bisschen an das Bild eines kleinen Kindes mit Plastikeimer und Schäufelchen in der Hand, das neben dem Sandkasten steht und schrecklich quängelt, während grössere Kinder drinsitzen und mit Matchbox-Lastwagen spielen. In der aktuellen Debatte geht es um die Übernahme der revidierten EU-Feuerwaffenrichtlinie, die zwar dem Terrorismus den Kampf ansagt, jedoch ausschliesslich Freizeit- und Sportschütz/-innen, Waffensammler/-innen bzw. generell Legalwaffenbesitzer/-innen trifft. Nur darum dreht sich unser Widerstand, denn die EU-Feuerwaffenrichtline ist nicht verhältnismässig und damit unserer Meinung nach auch nicht rechtens. Punkt. Der GSoA und jedem anderen steht es frei, die direktdemokratischen Mittel zu Nutzen, um in der Schweiz punkto Waffenrecht etwas zu bewegen. Aber bei der EU Trittbrett fahren? Sorry, das sollte auch unter der Würde der GSoA sein, denn das «S» steht ja auch dort für «Schweiz».

Dennoch meldet sie sich also zu Wort, die GSoA, die es als Speerspitze zur Entmilitarisierung der Schweiz ja eigentlich längst nicht mehr braucht, da selbst bürgerliche Kreise unsere Armee nach und nach abschaffen – aber gut, das ist ein anderes Thema. «Häusliche Gewalt» ist nun das Schlagwort, «untermauert» von einem «Informationsblatt 4» des «Eidgenössischen Büros für Gleichstellung von Frau und Mann», mit dem die GS0A und andere auf der Welle des EU-Erfolges zur Eliminierung des Privatwaffenbesitzes reiten möchten. «Schon wieder!» ist man geneigt zu sagen, das hatten wir doch erst 2011. Es mutet halt deshalb etwa so an, wie wenn das oben erwähnte Kind neben dem Sandkasten ruft: «Wähääää, ich habe kein Plastikschäufelchen, sondern eines aus Metall, ich möchte jetzt mitspiiiiiiiiiiielen!» Für Kleinkinder okay, für die GSoA lächerlich.

Physische und psychische Gewalt ist verabscheuungswürdig!
Ja, auch für legal Waffenbesitzende, liebe GSoA. Wirklich überrascht?

Wohlgemerkt: An häuslicher Gewalt ist nichts lächerlich, gar nichts. Männer, die Frauen und Kindern Gewalt antun – ob häuslich oder ausserhäuslich – gehören strafverfolgt und mit aller Härte des Gesetzes bestraft. Vielleicht sogar noch etwas härter. Gäbe es eine Inquisition, wären wahrscheinlich die Legalwaffenbesitzenden noch vor den GSoA-Sympathisanten bei den Delinquenten.

Aber diese GSoA-gegen-Schusswaffengewalt-Schallplatte ist aus Schellack, wohl wie die Organisation selbst, und hat halt leider schon seit Jahren denselben Sprung: Waffenbesitzer/-innen sind per se Gewalttäter/-innen – oh, Entschuldigung: «Waffennarren» sind per se Gewalttäter/-innen! Dass der Begriff «Waffennarr» ehrverletzend1) ist, interessiert die ach so gesetzestreuen Kämpfer/-innen für eine entwaffnete Gesellschaft natürlich nicht. Selbstverständlich kann bei dieser Behauptung nur der Legalwaffenbesitzer gemeint sein, denn die Bösen müssten ihre Waffen wohl behalten dürfen. Weil: Eine Entwaffnung derer wäre ja unter anderem etwa mit Etat-Aufstockungen im Sicherheitsbereich bei Armee-, Polizei- oder Grenzwachkorps verbunden und dagegen ist man ja in GSoA-Kreisen bekennenderweise. Wie gesagt: Kleinkindgetue.

Ein Problem des Relativen

Das Problem bei den ganzen Analysen des vielzitierten Kilias und auch des Büros für Gleichstellung ist, dass nicht ein einziges Mal das grosse Ganze berücksichtigt wird. 1 von 2 sind 50%, ebenso auch 100’000 von 200’000. Und dennoch sind die beiden 50% letztlich nicht die gleichen, vor allem nicht, wenn darauf Gesetze basieren sollen.

Eine der wohl interessantesten Betrachtungen liefert eine Tabelle der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 mit dem umständlichen Titel «Tötungsdelikt: Aufklärung und Vorjahresvergleich (vollendet und versucht) nach Tatmittel, Beschuldigte und Geschädigte»2). Denn darin stehen Echtzahlen. In den Jahren zwischen 2009 und 2016 gab es durchschnittlich vierzig Schusswaffentote pro Jahr.  Es wurden gerade einmal sechs Schusswaffentote mit Ordnonnanz-Kurzwaffen und sechs Schusswaffentote durch das Ordonnanz-Sturmgewehr gezählt. Schusswaffentote durch Sturmgewehre, die nach der Dienstzeit übernommen wurden zwischen 2009 und 2016: NULL! Versuchte Tötungen durch Sturmgewehre, die nach der Dienstzeit übernommen wurden: NULL! Einwohner in der Schweiz: Über acht Millionen. Registrierte Sportschütz/-innen: Mindestens 130’000. Freizeitschütz/-innen: nochmals so viele, mindestens. Wie gross mag bei diesen Zahlen die Wahrscheinlichkeit sein, durch eine legale Schusswaffe verletzt oder getötet zu werden? Sagen wir mal ganz unmathematisch: verschwindend klein.

New York City hat unter Anwendung der schärfsten Waffengesetze samt eines ganzen Überwachungsstaates bei rund 8 Millionen Einwohnern immer noch rund 500 Schusswaffentote jährlich. Wo Menschen leben, werden Menschen (mit meist illegal bessesenen) Schusswaffen durch andere Menschen (mit meist mit krimineller Vorgeschichte) umgebracht. Leider.

Legalwaffenbesitzende haben nichts gegen Gesetze. Aber sinnvoll sollten sie schon sein.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass durch Schusswaffen substanziell mehr Männer zu Schaden kommen, als Frauen3). Die Gewalt gegen Männer sollte man also unbedingt auch erwähnen, denn gegen eine Schusswaffe können die sich nämlich ebenso wenig wehren wie eine Frau. Und einfach damit es wieder einmal gesagt ist: In den Jahren zwischen 2009 und 2016 gab es im Schnitt 211 versuchte und vollendete Tötungsdelikte. Gerade einmal 40 davon wurden mit Schusswaffen begangen. Würde man wissen, wie viele von diesen 40 Schusswaffentoten jährlich durch illegale Waffen ausgeführt bzw. durch Täter mit einer Staatsangehörigkeit verübt wurden, die in der Schweiz noch nicht mal in die Nähe einer Schusswaffe kommen dürften4), wäre jegliche Diskussion über Legalwaffenbesitz in der Schweiz wohl ein für alle Mal vom Tisch. Aber die GSoA und ihre Streitbrüder und -schwestern ignorieren diese Fakten komplett. Was schade ist. Denn würden sie sich nicht in Renitenz üben, wären die Legalwaffenbesitzer/-innen ja durchaus für gute Lösungen zu haben, die den Legalwaffenmissbrauch wirklich eindämmen. Da hätten diese nämlich schon auch noch ziemlich konstruktives Know-how beizutragen. Aber das macht natürlich überhaupt keinen Spass, denn dann wäre der Feind ja im eigenen Bett.

Maximal jede 125’000ste Patrone tötet in der Schweiz jährlich einen Menschen. Ja, Sie haben richtig gelesen: Hunderfünfundzwanzigtausendste. Maximal.

So, und jetzt muss man diese Zahlen einmal anders betrachten. Am Feldschiessen werden jährlich rund 2.5 Millionen Patronen verfeuert, dazu kommt das Bundesprogramm, Schützenfeste landauf, landab und in privaten Schiessanlagen verfeuerte Patronen – schätzen wir also einmal pessimistisch auf mindestens fünf Millionen ausserdienstlich verfeuerte Patronen jährlich, wahrscheinlich sind es eher deren zehn. In der Schweiz werden – die Angaben variieren stark – minimal 2 Millionen Schusswaffen vermutet, was auch eher eine pessimistische Schätzung sein dürfte. Das bedeutet, dass durchschnittlich maximal jede 125’000ste Patrone jährlich in der Schweiz einen Menschen tödlich verletzt und maximal jede 50’000ste Waffe jährlich zur Tatwaffe wird. Würde man diese Aussagen ausschliesslich auf Legalwaffen aufbauen können, würde sich ein noch deutlicheres Bild ergeben: Es gibt keinen Grund, den legalen Privatwaffenbesitz in der Schweiz noch weiter einzuschränken. Nicht eine einzige Zahl aus der Kriminal- und Unfallstatistik ist im Verhältnis zum Legalschusswaffenbesitz und der Anzahl verfeuerter Patronen in irgendeiner Weise alarmierend. Ist diese Aussage zynisch? Nein. Steckt hinter jedem Opfer eine Tragödie? Keine Frage. Aber Gesetze fussen nicht auf statistisch vereinzelten Tragödien, sondern sollen im Grossen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenleben regeln.

Wie viele fürchten sich wirklich, erschossen zu werden?

Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, von einer Schusswaffe niedergestreckt zu werden? Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, mit einem Fausthieb ums Leben zu kommen? Wovor haben Sie mehr Angst, wenn Sie abends ins Theater oder an die Party gehen? Die Kriminalstatistik wird Ihr Gefühl bestätigen, versprochen. Warum hat niemand solch diffuse Ängste beim sonntäglichen Wanderausflug? Denn der Tod ereilt einen dort statistisch betrachtet wohl um einiges häufiger.

Darum: Letztlich geht es nicht um Zahlen und Fakten, denn diese bescheinigen der erdrückenden Mehrheit der Schweizer Legalwaffenbesitzenden ein ausgezeichnetes Verantwortungsbewusstsein. Wie schon Jan Jirát in seinem Schlusssatz im Kommentar in der WoZ (Nr. 13/2017 vom 30.03.2017) geschrieben hat: «Es geht grundsätzlich um unsere Haltung zur Freiheit.» Und hier sind die Differenzen wohl währschaft gross. Es ist unfair von der GSoA, den Legalwaffenbesitzenden potenzielle Gewalttäterschaft vorzuwerfen, anstatt offen, ehrlich und direktdemokratisch initiativ ihre echte Forderung in Angriff zu nehmen: Keine Waffen in privater Hand!

Ja, jedes Opfer ist eines zuviel. Die Einschränkung der Rechte abertausender Schütz/-innen aber auch.

Das «Jedes Opfer ist ein Opfer zuviel»-Mantra ist zwar grundsätzlich nicht falsch. Es ist nur die Frage, WIE man die Opferzahlen reduzieren möchte. Und dazu fällt GSoA und Konsorten als Antwort halt nichts Besseres ein, als wiederkehrend in den Kanon auf die Entwaffnung der Bürger/-innen einzustimmen. Warum? Weil Schusswaffenbesitzer/-innen eine einfache Beute auf der politischen Karrieristen-Agenda darstellen, da sie ja ordentlich in Registern verzeichnet und somit als Prügelknaben und -damen auch sofort und allzeit verfügbar sind. Nur eben: So geht das im Rechtsstaat nicht. Das ging vielleicht mal im (National-)Sozialismus, aber, liebe GSoA: tempi passati!

Es soll dieser Artikel mit vier Fragen und vier Antworten zur Thematik rund um häusliche Gewalt mit Schusswaffen geschlossen werden, um dem Dogma gerecht zu werden, am Ende des Textes nochmals an dessen Anfang zu kommen:

A) Gibt es (Legal-)waffenbesitzer, die mit dem blossen Vorhandensein einer Waffe im Haushalt ihre Familienmitglieder unterdrücken oder sogar aktiv mit der Waffe bedrohen? Ja, sicher gibt es solche. B) Gibt es genügend solcher Fälle soziopathischer Legalwaffenbesitzenden, um gesellschaftsweit Schweizer Bürger/-innen Rechte zu entziehen? Nein, ganz sicher nicht. C) Bietet das Gesetz dem Strafvollzug heute Mittel und Möglichkeiten, gegen gewaltbereite Personen im Haushalt mit Prävention und Intervention vorzugehen? Absolut, wenn sie denn verzeigt werden! D) Gibt es nicht mehr Fälle häuslicher Gewalt, bei welcher reine Körpergewalt zum Einsatz kommen? Ja, weitaus mehr.

Die wichtigste aller Fragen ist aber, ob GSoA & Co. wirklich daran interessiert sind, kluge und konsensorientierte Vorschriften zu entwickeln und zu erwirken, die in der polizeilichen Praxis und im gesellschaftlichen Habitus anwendbar und nützlich sind oder ob sie weiterhin nur ihre linken Phrasen brabbeln und wie das Kleinkind am Sandkastenrand plärren wollen.

 

 


Fussnoten
1) http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&zoom=&type=show_document&highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-II-97%3Ade
2) https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kriminalitaet-strafrecht.assetdetail.2260398.html
3) 2009=34m/17w, 2010=28m/16w, 2011=26m/19w, 2012=29m/22w, 2013=32m/18w, 2014=62m/23w, 2015=69m/33w, 2016=33m/14w
3) Serbien; Bosnien und Herzegowina; Kosovo; Mazedonien; Türkei; Sri Lanka; Algerien; Albanien.

Links
http://www.gsoa.ch/gsoa/category/schutz-vor-waffengewalt/
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kriminalitaet-strafrecht/polizei.gnpdetail.2017-0122.html

 

 

 

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