Der gestrige Artikel in der NZZ ist wie gewohnt gut geschrieben und recherchiert und erfreulich sachlich im Ton. Aber dennoch beängstigt darin einmal mehr der Fokus auf die Schweizer Ordonnanz-Langwaffen wie das Sturmgewehr 90 und das Sturmgewehr 57. Natürlich sind beides beliebte und anerkannte Langwaffen bei Sportschütz/-innen. Aber es sind bei weitem nicht die einzigen Waffen, die von der revidierten EU-Feuerwaffenrichtlinie betroffen sind und so dürfen wir nicht müde werden immer wieder darauf zu pochen, dass die zuständigen Behörden sich gar nicht erst auf eine Ausnahmeregelung für unsere beiden Sturmgewehre einlassen dürfen.

Deshalb ist es wieder einmal angebracht, ein konkretes Beispiel für die absurden Forderungen aus der neuen EU-Feuerwaffenrichlinie in Form eines Suchbildes zu machen. Nachfolgende Bilder zeigen die gleiche, leicht sportlich modifzierte österreichische Glock 17 – finde den Unterschied.

Notabene ist die Glock 17 eine Waffe aus dem fürs sportliche und ausserdienstliche Schiessen verbindlichen «Verzeichnis der bewilligten Hilfsmittel zu Ordonnanzwaffen und zu den Bundesübungen zugelassenen Waffen» (ansehen), also abertausendfach in der Schweiz verbreitet und äusserst beliebt. Die sportlichen Modifikationen bestehen aus einer Griffstückrückenanpassung, einem After-Market-Visier, einem Magazintrichter unten am Griffstück und einem dazu passenden Magazinboden, der ein Greifen des eingeführten Magazins in dieser Konfiguration überhaupt erst ermöglicht – also grundsätzlich notwendig ist. Alle diese Modifikationen bestehen aus so genannten nicht «wesentlichen Waffenbestandteilen», können also wie eine Orange oder ein Besen eingekauft werden, sie tragen deshalb auch keine Seriennummer und sind auch nicht registrierungspflichtig.

Das obere Foto zeigt die Waffe mit einem Magazinboden für CHF 80 von Taran Tactical, der die Magazinkapazität von original 18 auf 22 Patronen erhöht. Das untere Foto zeigt die gleiche Waffe mit einem Magazinboden von Magpul für ein paar Franken, der die Magazinkapazität nicht verändert. Die Waffe in der oberen Konfiguration wäre durch die revidierte EU-Feuerwaffenrichtlinie verboten (entsprechenden Beitrag ansehen), die untere nicht.

Nun könnte man als Schütze ja über solchen Schwachsinn laut herauslachen, aber leider bleibt einem das Lachen sogleich im Halse stecken. Denn ebenso verlangt die EU-Feuerwaffenrichtlinie, dass «die Genehmigung für den Erwerb oder die Genehmigung für den Besitz einer Feuerwaffe» entzogen wird, wenn ein Waffenbesitzer ohne entsprechende Ausnahmebewilligung im Besitze eines solchen Magazins ist (entsprechenden Beitrag ansehen). Wie bitteschön kann ein heute nicht wesentlicher, nicht registrierungspflichtiger Waffenbestandteil – wie ein Magazin – in der Praxis plötzlich zu einem verbotenen Gegenstand werden? Ohne vorgängige Registrierungspflicht, ohne Seriennummern, mit einem Bestand von x Tausend solcher Magazine in Schweizer Privatbesitz? Vor allem: Ohne einzigen nachvollziehbaren Grund.

Die Verstösse gegen das Waffengesetz würden sprunghaft ansteigen, denn von einem Tag auf den nächsten gäbe es tausende neue Kriminelle. Was für ein unglaublicher Blödsinn. Ein Schelm, der dahinter einen Plan vermutet.