Die NZZ am Sonntag überschreibt den heutigen Artikel mit «Schützen-Lobby zielt ins Leere». Wir dürfen ihr aber versichern: Wir haben noch nicht einmal die Waffe aus dem Schrank geholt und wir sind zum Äussersten bereit. Im kurzen Artikel meldet sich das FedPol bezüglich der Umsetzung der EU-Feuerwaffenrichtlinie in der Schweiz zu Wort. «Wir haben einen grossen Interpretationsspielraum und streben eine pragmatische Lösung an», sagt Nicoletta della Valle, «ich bin sicher, dass das möglich sein wird». Das klingt ja eigentlich gut. Nur was dann folgt, unterstreicht einmal mehr unsere schlimmsten Befürchtungen.

Das FedPol sagt etwa, dass unsere Waffenregister ausreichend seien, es schweigt aber darüber, ob diese nun auch mit der EU vernetzt werden müssen, denn die EU fordert ja ein EU-weites Überwachungssystem. Im weiteren geht das FedPol zum wiederholten Male ausschliesslich auf ehemalige und aktive «Wehrmänner» und ihre Sturmgewehre ein, kein Bekenntnis zum weiterhin liberalen Waffenbesitz in der Schweiz, kein Wort von IPSC, IDPA, vom taktischen Schiessen, kein Wort vom Freizeitschiessen. Kein Wort dazu, welchen Wert die EU-Feuerwaffenrichtlinie zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus (bei zugleich offenen Grenzen) haben soll. Es bleibt also bei der schon längst bekannten Aussage, dass es für die Schweiz eine Ausnahmeregelung gäbe – aber eben nur für unsere Sturmgewehre, die Armeeangehörigen und die Reservisten. Sie sollen also ihre Waffen in der gewohnten Konfiguration behalten dürfen – ach, das ist aber wirklich grosszügig von der EU und vom FedPol! Was für eine Arroganz! Was für ein Affront!

Was aber etwa mit PE-Sturmgewehren (Privateigentums-Waffen) sein soll, die freie Schweizer Bürger/-innen heute und morgen besitzen ohne je im Militär gewesen zu sein, bleibt unangesprochen. Von AR-15-Derivaten oder sonstigen Halbautomaten, die unsere Freizeitschütz/-innen zu abertausenden besitzen, ist wieder nicht die Rede. Auch kein Wort von Magazinbeschränkungen bei Kurzwaffen, erst recht keine Bemerkung zu Halbautomaten, die durch ein bestimmtes Schaftsystem unter 60 cm gekürzt werden können.

Auch verliert das FedPol kein Wort darüber, wie ein plötzlicher Ansturm auf unsere Schiessvereine bewältigt werden soll, nach dem sie jahrelang von Staat und Gesellschaft links liegen gelassen und immer unattraktiver für junge Schütz/-innen gemacht wurden. Das FedPol äussert sich natürlich auch nicht dazu, welche Verantwortung den Schützenvereinen neu obliegen soll, wenn plötzlich jede/-r Bürger/-in mit einem Sturmgewehr zu Hause Mitglied werden muss. Eine für uns wichtige Frage, ob die Vereins- und Wettbewerbspflicht an Waffentypen gebunden ist, bleibt natürlich weiterhin unbeantwortet. Das ist alles Wischiwaschi, um das Schweizer Volk glauben zu machen, wir Legalwaffenbesitzenden müssten zufrieden sein. Nein. Das sind wir nicht ansatzweise!

Und was ist mit den Jäger/-innen? Sie seien nicht betroffen, weil sie ja nicht mit Halbautomaten schiessen würden. Das FedPol geht aber nicht auf den Passus der EU-Feuerwaffenrichtlinie ein, dass die Berechtigung Waffen zu besitzen, mindestens alle 5 Jahre überprüft werden muss. Somit würde auch die Jagdzulassung alle 5 Jahre überprüft – denn ohne Waffe liesse sich ja schlecht jagen. Der Artikel ist das Papier nicht Wert, auf das er gedruckt wurde.

Was es wohl heissen mag, dass psychologische Tests für den Waffenerwerb «nicht vorgesehen» sind? «Nicht vorgesehen» heisst nichts Gutes. Und wenn sie nicht für den Waffenerwerb vorgesehen sind, sind sie es vielleicht für den Waffenbesitz? Unser Misstrauen wächst.

Etwas Neues hat der Artikel aber dennoch zu bieten: Wir lesen zum ersten Mal Schwarz auf Weiss, dass Waffensammler neue Pflichten zur Aufbewahrung ihrer Stücke erbringen müssen. Auch hier sei das FedPol aber zuversichtlich eine «pragmatische Lösung» zu bieten. Mit diesem Satz dürften sich jetzt wohl auch die sich bisher eher bedeckt haltenden Sammler/-innen für den Krieg rüsten.

Laut NZZ am Sonntag wird der Bundesrat der EU noch vor den Sommerferien mitteilen, ob er die neuen Richtlinien akzeptiert. Wir hoffen – allerdings ohne Zuversicht – er tut das Richtige. Das Richtige wäre, sich eher mit der EU als mit uns anzulegen.

Für das FedPol und den Bundesrat hier gerne die Liste unserer minimalen Forderungen:


Niemals Magazinbeschränkungen bei Kurz- und Langwaffen – nicht nur für Ordonnanzwaffen!


Bedürfnisnachweise machen freie Bürger/-innen zu Bittsteller/-innen bei Staat – niemals!


Kein Schiessvereinszwang! Weder für Ordonnanz-, noch für für Freizeitschütz/-innen!


Kein Schiesswettbewerbszwang! Weder für Ordonnanz-, noch für für Freizeitschütz/-innen!


Niemals ein Überwachungssystem oder Waffenregister, schon gar nicht unter Berücksichtigung medizinisch-psychologischer Daten!


Niemals ein Verbot von Halbautomaten in Privatbesitz, egal ob mit oder ohne Klappschaft, egal ob kürzer oder länger als 60cm. Jetzt nicht und auch nicht in Zukunft.


Keine regelmässigen Überprüfungen von Waffenbesitzer/-innen!


Die Regeln für den Munitionserwerb und -besitz bleiben unangetastet!


Niemals eine Schwächung des Milizsystems unserer Armee durch irgendwelche andere Eingriffe der EU!


Keine einzige Verschärfung der Aufbewahrungspflichten für Waffensammler/-innen!