proTELL, die Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht, verteidigt seit bald 30 Jahren die Anliegen der waffenbesitzenden Bürgerinnen und Bürger in unserem Land und darf mit Fug und Recht als etablierte Institution gelten. Doch an der ordentlichen Generalversammlung 2016 am 22. April 2017 wurde dem damals amtierenden Vorstand unter anderem zum Vorwurf gemacht, er schaue dem Treiben rund um die EU-Feuerwaffenrichtline untätig zu. Daraufhin wurde von der Generalversammlung weder der Jahresbericht noch die Jahresrechnung genehmigt, dem Vorstand die Entlastung verweigert und eine ausserordentliche GV am 17. Juni 2017 durchgesetzt. | Von Patrick Jauch

Eben diese ausserordentliche Generalversammlung fand nun letzten Samstag im Festsaal des Albisgüetli statt und sie machte ihrem Namen alle Ehre. Ohne in die Details gehen zu wollen, gelang es dank der besonnenen Wortmeldungen eines Robin Udry und des kurzfristig einberufenen Tagungspräsidenten, die Versammlung in einigermassen geordnetem Rahmen abzuhalten, denn die Stimmung gegen den amtierenden Vorstand war spannungsgeladen.

Klares Votum für neuen Vorstand und für ein neues Kapitel

Bei solch emotionalem Treiben geht leider auch gerne vergessen, die Verdienste des bisherigen Vorstandes zu würdigen, denn diese gab es unbestritten. Alt-Präsident ad interim Werner Hohler und sein Team waren zweifelsohne mit hohem persönlichen Aufwand und mit grosser Überzeugung für die Sache unterwegs. Allerdings votierten die knapp 520 stimmberechtigten Anwesenden mit einer überwältigenden Mehrheit von 511 Stimmen, bei einem Gegenmehr von nur 6 Stimmen, für den neuen Vorstand.

Es wurde in den letzten Wochen immer wieder behauptet, dass «extremistische Kräfte» die letzte ordentliche Generalversammlung «gesprengt» hätten, von «radikalen Welschen» war offen die Rede, die mit unserem Waffenrecht nichts als Unfug im Sinn hätten. Und es war zu lesen, dass ein aus diesen Reihen konstituierter neuer Vorstand proTELL in ein ganz schlechtes Licht rücken und Jahre harter Arbeit zerstören würde.

Wo blieben bloss die «Extremisten»?

Es erstaunte deshalb umso mehr, dass der alternative Vorstand aus vermeintlichen «Extremisten» den Anwesenden kurz und knapp Vision, Ziele und Personen präsentierte. Das einzige, was in dieser Präsentation fehlte, war irgendetwas Extremistisches. Im Gegenteil, sie enthielt viel Vernünftiges und wurde überzeugend vorgetragen.

Als neuer Präsident wurde Hans-Peter Wüthrich, Unternehmer und Brigadier a.D., vorgestellt. Als Vize-Präsident der SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor und als Generalsekretär der Walliser CVP-Politiker Robin Udry, der mit seiner beherzten Art die erhitzten Gemüter im Saal von Anfang an zu beruhigen wusste. Man wolle mit dieser Amtsaufteilung Machtmissbrauch im neuen Vorstand von Anfang an ausschliessen, erklärte Udry. Clever und professionell mutete das Gesagte an.

Der präsentierte Vorstand enthielt weitere Personalien: Marc-Henri Bujes für das Ressort «Finanzen und Ressourcen»; den in Sammlerkreisen bekannten Ulrich Stoller für das Ressort «Anlässe und Beziehungen»; mit Alex Comment einen kaufmännischen Berater, der ebenfalls im Ressort «Anlässe und Beziehungen» walten wird; mit Marc Heim einen Kandidaten für das Ressort «Internationale Beziehungen» und nicht zuletzt Dr. Luca Cettuzzi für das innovative Ressort «Technologie und Medienmonitoring». Brisant: Sowohl Jean-Luc Addor als auch Marc Heim waren zu diesem Zeitpunkt noch Mitglieder des bisherigen Vorstandes – Addor gar Vize-Präsident.

Kritische Fragen waren angebracht

Nachdem schon früh während der ausserordentlichen GV dem bisherigen Vorstand per Abstimmung das Vertrauen entzogen wurde, mussten sich Nationalrat Jean-Luc Addor und Marc Heim den Vorwurf gefallen lassen, dass man ihnen doch soeben das Vertrauen entzogen habe. Eine Saalstimme fragte die Anwesenden: «Wie können Sie jetzt jemanden wählen, dem Sie soeben das Vertrauen entzogen haben?» Der Tagungspräsident erklärte daraufhin, dass nicht einzelnen Personen, sondern dem Vorstand in Globo das Vertrauen entzogen worden sei und es durchaus möglich ist, einzelne Personen aus dem alten in den neuen Vorstand zu wählen. Zumal Marc Heim schon zu Beginn der GV betonte, dass Jean-Luc Addor und seine Person schon lange kein integraler Bestandteil des Vorstandes mehr gewesen seien – was einem als Aussenstehenden schon zu denken gab.

Eine weitere, schnittig formulierte Frage musste sich Nationalrat Jean-Luc Addor gefallen lassen, nämlich: Ob er überhaupt wählbar sein könne, wo er doch angeklagt sei, mit einem fragwürdigen Tweet gegen die Rassismus-Strafnorm verstossen zu haben? Jean-Luc Addor kommentierte 2014 einen Mord in einer St. Galler Moschee mit «On en redemande!» (siehe Artikel im Landbote). Addor betrat in Anzug und Krawatte daraufhin mit einem gewissen staatsmännischen Habitus, den man wohl als Nationalrat beherrschen sollte, die Bühne und erklärte sich. Wer nun erwartete, einen polternden «Extremisten» auf der Bühne zu sehen, wurde bitter enttäuscht. Seine sachlich vorgetragenen Erklärungen, der Tweet wäre «ironisch» gemeint gewesen und habe die Frage aufwerfen wollen, wie lange man derartigem Treiben noch untätig zusehen wolle, waren offenbar für den Saal plausibel – was nicht bedeutete, dass man sie guthiess. Die Anzeige gegen Addor wurde laut Medienberichten vom umstrittenen Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) eingereicht. Der Saal quittierte Addors Ausführungen bezüglich des laufenden Verfahrens mit Applaus. Dies war wohl weniger als Entlastung für sein Vergehen gedacht als vielmehr als Zeichen dafür, dass die Anwesenden Nationalrat Addor trotz dieses Vorwurfes getreue und engagierte Amtsführung bei proTELL zutrauen. Als unnachgiebiger Kämpfer für ein weiterhin liberales Waffenrecht ist er schon lange bekannt.

«Das Waffenrecht ist mit meiner Person nicht verhandelbar»

Als der neue Präsident, Brigadier a.D. Hans-Peter Wüthrich, schliesslich dem Saal offenbarte, dass «mit seiner Person das Waffenrecht nicht verhandelbar sei», erntete er spontan Standing Ovations. Für die Anwesenden schien klar: Dieser Vorstand ist geschlossen und stark – wenn auch gewisse Ressorts noch Vakanzen aufweisen.

Die Aktion «Finger weg vom Schweizer Waffenrecht!» freut sich!

Die Aktion «Finger weg vom Schweizer Waffenrecht!» hat in allen Gesprächen mit dem bisherigen Vorstand und mit den Exponenten der damals noch potenziell neuen Führungscrew immer darauf gepocht, proTELL möge einen starken Vorstand etablieren, die internen Querelen hinter sich lassen und endlich mit in den Ring steigen. proTELL war und ist nun wohl auch in Zukunft wieder die wahrscheinlich wichtigste und einflussreichste Organisation zur Wahrung unserer Waffenrechte und als starker Partner für die Aktion «Finger weg vom Schweizer Waffenrecht!» schlicht unabdingbar. Erste Sondierungsgespräche mit dem neuen Vorstand sind schon für diese Woche geplant.

Wir wünschen proTELL und dem neuen Vorstand alles Gute und wir hoffen auf eine intensive und für beide Seiten fruchtbare Zusammenarbeit.

 

Der neue Vorstand von proTELL von links nach rechts:
Marc-Henri Bujès, Finanzen und Ressourcen
Marc Heim, Internationale Beziehungen
Dr. Luca Cettuzzi, Technologie und Medien-Monitoring
Robin Udry, Generalsekretär
Brigadier a.D. Hans-Peter Wüthrich, Präsident
Nationalrat Jean-Luc Addor, Vize-Präsident
Ulrich Stoller, Anlässe und Beziehungen (D)
Ales Comment, Anlässe und Beziehungen (F)

 

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