Dr. sc. techn. Jörg Rothweiler ist ETH-promovierter Naturwissenschaftler, Journalist, Kommunikationsspezialist, Fotograf. Und er ist leidenschaftlicher Schütze, Waffen- und Szenekenner. Einige in unserer Community werden Rothweiler für seine Artikel in den Zeitschriften «Visier» oder «SWM Schweizer Waffenmagazin» kennen. Die Idee zum folgenden, exklusiv für uns verfassten Artikel, entstand durch eine geistreiche Bemerkung Rothweilers in einem Gespräch: «Würde man das Schweizer Waffenrecht in einem anderen Land als der Schweiz einführen wollen, müsste man das Schweizer Volk mitgeben.» 

 

 

Herr und Frau Schweizer brauchen kein neues Waffenrecht!

In Brüssel herrscht phobisch-wahnhafter Übereifer. Weil der europäischen Politik im Kampf gegen den Terrorismus nichts Gescheites einfällt, übt sie sich – einmal mehr – in blindem Aktionismus. Mit einem noch strengeren Waffengesetz sollen die Legalwaffenbesitzer geknechtet werden – obwohl man eigentlich Terroristen im Visier hat. So grob können nur völlig Unwissende vorbeischiessen!

Unbescholtene Bürger werden von der EU-Obrigkeit unter Generalverdacht gestellt und von Politikern öffentlich in einem Atemzug mit terroristischen Attentätern genannt. Eine ungeheuerliche Frechheit, die ihresgleichen sucht!

Und die Schweiz, zwar Schengenmitglied aber seit einer gefühlten Ewigkeit politisch neutral, plant, die von den Brüsseler Bürokraten ausbaldowerten neuen Spielregeln, die jeglichem gesunden Menschenverstand widersprechen, «pragmatisch» zu übernehmen. Ein währschafter Skandal und ein Schlag ins Gesicht aller gesetzestreuen Schützinnen und Schützen.

Die Schweiz ist die löbliche Ausnahme im Chaos

Gerade unser Land zeigt doch der Welt seit Jahrzehnten, wie entspannt und sicher man auch mit einem vergleichsweise liberalen Waffengesetz leben kann! Dazu folgende Fakten:

  • In der Schweiz nehmen Angehörige der Armee mit persönlicher Waffe diese in der Dienstpflicht mit nach Hause. Hunderttausende haben dies getan respektive tun es bis heute. Die Zahl der Straftaten, bei denen Armeewaffen verwendet wurden, kann dennoch an einer Hand abgezählt werden. Das ist einmalig in der Welt!
  • In der Schweiz lernen Kinder und Jugendliche seit mehr als 150 Jahren die korrekte, sichere und friedliche Handhabung von Feuerwaffen. Seit dem 18. Jahrhundert bildet das Schweizer Schützenwesen eine gesunde Gemeinschaft – in der die älteren Jahrgänge den jüngeren die korrekte Handhabung einer Feuerwaffe zu sportlichen Zwecken beibringen. Mädchen und Jungen ab 8 Jahren erfahren dabei von Beginn an: Die Waffe ist ein Sportgerät – kein Werkzeug, um zu töten. Ein vergleichbares Ausbildungs- und Förderungssystem gibt es in keinem anderen Land!
  • In der Schweiz wurde vor rund 170 Jahren, mit der «Militärorganisation 1850», das jährliche Zielschiessen für Mannschaften eingeführt, mit der MO 1874 wurde das heute fest in der Bevölkerung verankerte «ausserdienstliche Schiessen zur Erhaltung und Förderung der Wehrfähigkeit» eingeführt, namentlich das Obligatorische Bundesprogramm und das Eidgenössische Feldschiessen. Der Bund unterstützt beide Anlässe mit Munition und Geld, damit die Teilnahme kostenfrei erfolgen kann – auf unzähligen, auf Geheiss des Bundes errichteten Schiessplätzen. Etwas Vergleichbares gibt es nirgendwo!
  • Beim Eidgenössischen Feldschiessen können rund 130 000 bewaffnete Bürgerinnen und Bürger ein gigantisches Schützenfest feiern und mit der Ordonnanzwaffe unbehelligt zu Fuss, auf dem Velo oder auch mit dem ÖV zum Schiessanlass reisen. Andernorts wird heutzutage ein SWAT-Team alarmiert, wenn ein Halbwüchsiger nur mit einer Wasserpistole spielt.
  • In der Schweiz sind viele Spielarten des Schiesssports gut entwickelt. Jäger, Tontaubenschütze, Combat-Schütze, Olympia-Sportschütze, Westernschütze, Langdistanzschütze oder einfacher Freizeitschütze: Jeder anständige Bürger – auch der, der Waffen nur sammelt, ohne je damit zu schiessen – darf seinem frei gewählten Hobby frönen – ohne Vereinszwängerei, ohne psychologische Eignungstests und ohne Bedürfnisnachweis. Ganz so, wie es Fussballer, Gleitschirmflieger, Fechter, Reiter, Töfffahrer, Extrembergsteiger, Mountainbiker und alle anderen, die ein bisweilen für sich selbst oder Dritte nicht ganz ungefährliches Hobby haben, auch dürfen.
  • In der Schweiz gibt es zwar geschätzte 2,5 Millionen «nicht registrierte» Waffen. Sie alle wurde aber ursprünglich einmal legal erworben – nur eben nicht registriert. In der EU hingegen gibt es zig Millionen illegale Waffen, geschätzte 35 Millionen alleine in Deutschland! Jede illegale Waffe aber ist erst Recht nirgendwo registriert, wird also auch vom verschärften Gesetz gar nicht erfasst! Dank Schengen, offenen innereuropäischen Grenzen in Kombination mit mehr als löchrigen Aussengrenzen können illegale Waffen europaweit geradezu beliebig verschoben werden. Das allerdings ist ein hausgemachtes Problem der EU – keines der Schweiz!

Strengere Gesetze sind sinnlos – das beweist die EU selbst

Ein Blick in die Geschichte und die Kriminalstatistiken zeigt: In der Schweiz hat das Recht auf den Besitz von Feuerwaffen nicht zu Zuständen geführt, wie wir sie aus den USA und zunehmend weiten Teilen Europas kennen.

Obwohl unser Land, glaubt man den Statistiken, nach den USA und dem Sudan die dritthöchste Dichte privater Schusswaffen aufweist und obwohl unser Waffengesetz «liberaler» ist als in jedem Land der EU, werden hierzulande deutlich weniger Straftaten mit Waffengewalt verübt, als dort. Das ist bewiesen.

Gleichermassen belegt ist, dass die bereits seit Jahren deutlich strengeren Waffengesetze Deutschlands, Frankreichs, Italiens und anderer EU-Staaten keinerlei Wirkung gegen Terrorakte gezeigt haben. EU-weit gibt es immer wieder Amokläufe, Schiessereien, Mord und Totschlag. In Schweden sind Handgranaten als Waffe sehr beliebt! Und just in England, «gesegnet» mit einem der strengsten Waffengesetze weltweit, welches «freien» Bürger nicht einmal mehr ein Pfefferspray zur Selbstverteidigung zugesteht und dazu führt, dass Bobbys unbewaffnet in einen ungleichen Kampf ziehen müssen, geschahen in jüngerer Vergangenheit unvergleichlich viele Terrorakte.

Fazit: Strengere Gesetze für Legalwaffenbesitzer sind im Kampf gegen Terror und Gewalt nutzlos! Denn – jedes Kind weiss es, nur Politiker negieren diese Weisheit beflissentlich – Verbrecher, Gesetzlose und Terroristen gehen nicht aufs Amt, um dort einen Waffenerwerbsschein zu beantragen. Sie decken sich auf dem – in der EU prall gefüllten – Schwarzmarkt ein. Die dort agierenden «Geschäftsleute» aber scheren sich einen Dreck um Gesetze und Regeln.

Es kommt auf die Haltung der Bürgerinnen und Bürger an

Das unterscheidet die Kriminellen – neben vielem anderen – von Herrn und Frau Schweizer. Die nämlich sind fast schon sprichwörtlich gesetzestreu und anständig. Die Menschen vertrauen und setzen, ebenso wie die meisten Politiker, auf das Konkordanzprinzip. Ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe, flache Hierarchien und das Streben nach einem harmonischen, friedlichen Miteinander prägen das Leben in der Schweiz seit Jahrhunderten. Wir streiten auch – natürlich. Aber vorwiegend verbal oder nötigenfalls vor Gericht, in den seltensten Fällen aber unter Anwendung physischer oder gar materieller Gewalt.

Die Schweiz ist daher – trotz ihres liberalen Waffenrechts – zweifelsfrei eines der sichersten Länder der Erde. Wer Jahrhunderte in Wohlstand und Frieden leben durfte, während anderswo Krieg, Zerstörung und Chaos herrschten, entwickelt nicht zuletzt im Umgang mit Waffen ganz andere Werte, eine andere Weltanschauung, eine andere innere Einstellung. In der Schweiz sind Waffen vorderhand Sportgeräte und Sammlerobjekte.

Vertrauen in das Volk ist die erste Politikerpflicht

Basierend auf der Tradition vom friedlichen Miteinander und politischer Neutralität kann es sich die Schweizer Regierung leisten, ihren rechtschaffenen Bürgerinnen und Bürgern zu vertrauen. Unser Staat erntet (noch) Respekt beim Volk.

Ganz anders sieht es in weiten Teilen Europas aus. Die Briten flüchten derzeit freiwillig, andernorts dominieren tiefes Misstrauen in die Politiker, Perspektivlosigkeit und politisches Desinteresse. Das Gesamtgebilde EU wackelt bedenklich. Instabile Obrigkeiten, auch das zeigt die Geschichte, danken nie von alleine ab. Sie streben nach unbedingtem Machterhalt: Die mündigen Bürger werden immer mehr eingeschränkt, bevormundet, überwacht und mit stets neuen Regelungen, Gesetzen und Richtlinien drangsaliert. Alles unter dem Deckmantel, man wolle nur das Beste für die Bevölkerung …

Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass Gesetze und Regelungen, die Sinn machen, deren Ziele klar sind und die dem friedlichen Miteinander dienlich sind, überwiegend respektiert werden. Unsinnige Gesetze und überbordende Regulierungen, sinnbefreite Schikanen der Obrigkeit, die dem gesunden Menschenverstand und dem Bewährten teils diametral zuwider laufen, werden indes negiert und missachtet – was die generelle Gesetzestreue unterminiert und aushöhlt. Die Prohibition der 1930er-Jahre zeigte mehr als deutlich: Was verboten wird, verschwindet nicht einfach! Es taucht einfach in die Illegalität ab – und ist genau dann überhaupt nicht mehr kontrollierbar.

Die Lösung ist simpel: Der Staat muss seinen Bürgern vertrauen, darf sich innenpolitische Regelungen nicht von äusseren Einflüssen, externen Problemen oder gar fremden Vögten diktieren lassen, sondern muss vehement und entschieden auf sein Recht auf freiheitliche Selbstbestimmung in allen inneren Angelegenheiten pochen – ungeachtet vorhandener, einst unter ganz anderen Voraussetzungen geschlossener und vom Zeitgeschehen ohnehin längst ausgehebelter Verträge.

Nur in einem Staat, der sich nicht fernsteuern lässt, der sich bei der Gesetzgebung auf das Nötige beschränkt und Bewährtes nicht grundlos ändert, ist ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung möglich.

Ein zentraler Baustein dieser Freiheit ist das Recht auf legalen Waffenbesitz. Ueli Maurer, Schweizer Bundesrat und ehemaliger Verteidigungsminister, drückte dies vor wenigen Jahren mit den Worten aus: «Waffentradition ist der Ausdruck des freiheitlichen Bürgerstaates.» Und bereits anno 1861 urteilte der Bundesrat im Streit mit der kirchlichen Obrigkeit, die das Eidgenössische Schützenfest in Stans verhindern wollte: «Den Schützen kann das Schiessen ebenso wenig untersagt werden wie den Sängern das Singen!»

Die Schweizer Regierung täte daher gut daran, das zu tun, zu was sie die Verfassung verpflichtet und was die Basis von allem ist: Sie sollte auf das Volk als Souverän vertrauen und die Legalwaffenbesitzer nicht dafür abstrafen, dass diese das geltende Waffengesetz stets respektiert und ihr freiheitliches Bürgerrecht auf Waffenbesitz noch niemals in der Geschichte missbraucht haben!

Einem verschärften, von aussen aufoktroyierten Waffengesetz, das unter dem fadenscheinigen Deckmantel der Terrorabwehr unbescholtene Legalwaffenbesitzer und Sammler kriminalisiert, rechtschaffene und gesetzestreue Menschen einem unerhörten Generalverdacht unterstellt und mit wirkungsloser Bürokratie drangsaliert, ja das in Teilen sogar verfassungswidrig ist (Vereinspflicht!), ist mit aller Konsequenz der Riegel zu schieben! Schliesslich gilt es, der gesamten Breite des Schiesssports und des Sammlerwesens Rechnung zu tragen. Es gibt nämlich beileibe nicht nur die Ordonnanzschützen in unserem Land!

Selbst in der EU regt sich Widerstand – auf Regierungsebene!

Die Schweiz ist übrigens nicht alleine, wenn sie den EU-Wünschen nicht einfach in blindem Gehorsam entspricht. Selbst zwei EU-Mitgliedsstaaten – Polen und die Tschechische Republik – formieren sich zum Widerstand. «Die EU hat mit der Neuregelung ihre Kompetenzen überschritten. Eine derart massive Bestrafung anständiger Waffenschein-Besitzer ist für uns inakzeptabel», sagte kürzlich der tschechische Innenminister Milan Chovanec. Sein Land hat Klage gegen die neue EU-Feuerwaffenrichtlinie beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg eingereicht – und will den Bürgern gar das Recht einräumen, Waffen und Munition nicht nur zu erwerben und aufzubewahren, sondern auch zu tragen. Im Notfall sollen Schusswaffen aktiv eingesetzt werden dürfen – etwa zur Sicherung des Landes vor terroristischen Anschlägen! Tschechien ist damit das erste EU-Mitglied, das dieses Recht in der Verfassung verankert – und seinen Bürgerinnen und Bürgern mindestens ebenso vertraut, wie es die Schweiz tut.

In der Ruhe liegt die Kraft

Die Schweiz sollte sich vorderhand in wachsamem Abwarten üben und keine voreiligen Beschlüsse fällen. Denn ehe nicht zweifelsfrei geklärt ist, welche EU-Mitgliedsstaaten die Richtlinie bis wann und in welchem Umfang respektive ob überhaupt in nationales Recht umsetzen werden, besteht für die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied keinerlei Handlungsbedarf.

Denn eines ist sicher: Übereifer und der berühmte «Schuss aus der Hüfte» haben noch nie etwas Gutes hervorgebracht. Eine unausgegorene, vollkommen unsinnige Neuregelung des Waffenrechts, die keinen einzigen terroristisch motivierten Anschlag zu verhindern vermag, dafür aber Hunderttausende unbescholtener Bürgerinnen und Bürger diskriminiert und verunglimpft, braucht die Schweiz so dringend wie einen Kropf.