Wer sich für ein liberales Waffenrecht einsetzt, wird immer wieder mit den immer gleichen Pauschalbehauptungen konfrontiert: Waffengesetze seien zu lasch, es gebe viel zu viele Tote deswegen ... man wolle doch keine «amerikanischen Verhältnisse» ... mit liberalen Waffengesetzen werde die Selbstmordrate erhöht ... als Waffenbesitzer müsse man doch eine Meinung zu «Mass Shootings» haben und sowieso wolle man als Schweizer Waffenbesitzer Schengen künden und betreibe somit unstatthaften Protektionismus. Zusammen mit LEWAS Legalwaffen Schweiz haben wir uns die Mühe gemacht, ein griffiges Argumentarium für Waffenrechtsdebatten zusammenzustellen. Wir möchten hiermit auch anregen, uns weitere gute Argumente und Fakten zu liefern, die wir gerne nach und nach hier einbauen.

Der folgende Text ist dank der Übersetzungsarbeit von Frank Leutenegger ebenfalls in französischer Sprache verfügbar.

Autoren
Beat Eichelberger, Präsident Verein LEWAS Legalwaffen Schweiz
Markus Mayer, Vizepräsident Verein LEWAS Legalwaffen Schweiz
Patrick Jauch, Initiant der Aktion «Finger weg vom Schweizer Waffenrecht!»

Generelles zu Waffengesetzen1

1.
Auf legalem Weg erworbene Schusswaffen spielen bei Gewalttaten praktisch keine Rolle.

2.
Verbrechen werden mit illegal besessenen Schusswaffen verübt. Und zwar fast ausschliesslich.

3.
Wer Kriminalität bekämpfen will, muss die Verbrecher bekämpfen und deren illegale Waffen.

4.
Waffengesetze richten sich immer nur gegen Besitzer legal erworbener Waffen, nicht gegen Kriminelle mit ihren illegalen Waffen.

Aspekte zu «amerikanischen Verhältnissen»

5.
Was ist überhaupt mit «amerikanische Verhältnisse» gemeint? In den Vereinigten Staaten herrscht in gewissen Gebieten schier unvorstellbare Gewalt, verursacht durch Bandenkriege, Drogen- und Menschenschmuggel, ganze Landstriche und Stadteile wurden so unbewohnbar. Zudem hat die USA eine lange und andauernde «Tradition» als Kriegsmacht und in dieser Rolle stilisiert sie Gewalt als Mittel der effektiven Problemlösung. Tatsächlich ist es aber auch ein Teil der amerikanischen Geschichte, in gewissen Staaten Waffen verdeckt oder auch offen tragen zu dürfen, um sich vor Gewalt zu schützen – nicht um sie auszuüben.

6.
Die viel zitierten «amerikanischen Verhältnisse» bezüglich Waffenrecht gibt es nicht. Das Waffenrecht ist in den USA stark föderalistisch geprägt, es gibt über 20'000 Waffengesetze aller Ausprägungen, von sehr liberal bis zum fast totalen Waffenverbot2.

7.
Es gibt in den USA keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der «Strenge» des Waffengesetzes und der mit Waffen verübten Delikte3, so ist etwa Maryland sowohl der Bundesstaat mit einer ausserordentlich hohen Gewaltrate mit Schusswaffen und verfügt gleichzeitig über sehr restriktive Waffengesetze (siehe nachfolgende Grafik).

8.
Diskussionen über Waffengesetze müssen sich auf den (geografischen, kulturellen, staatspolitischen) Geltungsbereich des betroffenen Gesetzes beziehen. Wir diskutieren auch nicht die Schweizer Strassengesetze aufgrund der Verkehrstoten in Neu Delhi oder Bangkok.

Aspekte zu Suiziden

9.
Suizid ist kein Delikt sondern ein Menschenrecht.4 Somit ist auch ein Schusswaffensuizid kein Delikt und auch kein Waffenmissbrauch. Folglich ist das Waffengesetz, welches gemäss Verfassung die Waffenmissbrauchsbekämpfung zum Ziel hat, das falsche Gesetz zur Suizidprävention.

10.
Jedem einzelnen Suizid geht eine lange und oft latente Geschichte voraus – auch wenn er im so genannten Affekt ausgeübt wird – einen Suizid allerdings als Kurzschlusshandlung zu bezeichnen ist ungeheuerlich5. Es ist unheimlich arrogant, am Ende dieses schicksalshaften Leidensweges einer Tatwaffe die Schuld zuzuweisen und zu glauben, damit sei das Problem identifiziert. Nicht die Verfügbarkeit einer Waffe schafft Suizide sondern die Absenz von Hilfe.

11.
Das Bundesamt für Statistik verfälscht die Statistik über die Suizide, indem die assistierten Suizide seit 2009 nicht mehr eingerechnet, sondern separat ausgewiesen werden.6 Tatsächlich handelt es sich dabei aber immer um Suizide durch vergiften.

12.
Seit 1995 bis 2014 ist die Gesamtzahl der Suizide (inkl. assistierte) von 1419 auf 17707 gestiegen, die Schusswaffensuizide sind im gleichen Zeitraum von 392 auf 197 gesunken! Also auf gut 10% aller Suizide! Die häufigsten Suizidmethoden waren 2014 vergiften (in 880 Fällen, also 50%), erhängen (302, 17%), und Schusswaffen (187, 10,6%). Knapp 90% aller Suizide erfolgen ohne Schusswaffen! Bei Frauen war der Anteil der Schusswaffensuizide bei nur 0,7%!

13.
Die Schweiz hat eine Suizidrate von 12 auf 100'000 Einwohner pro Jahr bei einer Verfügbarkeit von Feuerwaffen in 35% aller Haushalte, in Österreich liegt die Suizidrate bei 16 bei einer Verfügbarkeit von nur 9%, in Japan beträgt die Suizidrate hohe 23 bei einer Verfügbarkeit von NULL! Die Verfügbarkeit des Tatmittels Schusswaffe hat keinen nachvollziehbaren Zusammenhang zur Suzidrate.

Seit 2003 sinken die Suizide durch Schusswaffen markant. Tatsächlich hat dies aber kaum etwas mit seither verschärften Waffengesetzen zu tun, sondern schlicht mit der Tatsache, dass seither die assistierten Suizide (durch Vergiftung) markant ansteigen. Vereinfacht kann gesagt werden: Man braucht heute keinen Schusswaffe mehr, um seinem Leben ein Ende zu setzen. (siehe nachfolgende Grafik).

14.
Und überhaupt: Mit welchem Recht schreibt ein Mensch einem anderen die Wahl seines Selbsttötungsmittels vor?

Aspekte zu mehr Waffenkäufen

15.
Die Zahl der erteilten Waffenerwerbscheine nimmt in den letzten Jahren stark zu. Gründe sind:
A) Für die Übernahme der Ordonnanzwaffe in Privateigentum wird ein WES benötigt (Stricter-Law-Effect)
B) Die Popularität des Sportschiessens nimmt wieder zu (Heidi-Diethelm-Effekt)
C) Angst vor Verschärfung des Waffenrechts (Hamsterkauf-Effekt)
D) Vorsicht vor Gewaltkriminalität (Home-Defense-Effect)

Aspekte zu «Mass Shootings» und Waffengewalt

16.
Waffenbesitzer unterliegen keiner Kollektivschuld. Ebenso wenig wie Autobesitzer, Flugkapitäne oder Muslime.

17.
Viele der «Mass Shootings» der jüngeren Zeit fanden in so genannten «Gun Free Zones» statt, also an Orten, wo das Tragen von Waffen per Gesetz (Zug, Paris) oder durch eine örtliche Regel (Kirche in Texas, Club in Orlando/Florida) untersagt war: Täter solcher Attentate suchen immer Opfer, keine Gegner.

18.
Die Verfügbarkeit von Waffen steht offensichtlicherweise in keinem Zusammenhang mit dem Vorkommen von «Mass Shootings», sonst hätten Länder wie die Schweiz, Tschechien oder Finnland deutlich mehr Vorfälle zu verzeichnen. Neben der Verfügbarkeit spielen soziale und ökonomische Stabilität eine viel grössere Rolle.

19.
In der Schweiz gibt es mehrere Millionen Schusswaffen. Waffenbesitzer verschiessen legal zwischen 5 und 10 Millionen Patronen jedes Jahr. Wenn die Schweiz ein Problem mit Legalwaffenbesitzern hätte, wäre das mit Sicherheit bekannt.

20.
In der Schweiz werden jedes Jahr seit 2006 durchschnittlich 42 Tötungsdelikte (davon 16 vollendet) mit Schusswaffen begangen8. Bei mindestens 3 Millionen Schusswaffen im Land und einer Bevölkerung von 8.4 Millionen Menschen. Im Vergleich dazu 105 mit einer Schneid- oder Stichwaffe und bei einer Gesamtzahl von 218 Tötungsdelikten (davon 49 vollendet) im jährlichen Durchschnitt.

21.
In der Schweiz sterben seit 2006 jedes Jahr durchschnittlich 17 Menschen an den Folgen von Schusswaffengewalt9. Im Vergleich zu 15 durch eine Schneid- oder Stichwaffe.

22.
Seit 2006 wurden mit ehemaligen Ordonnanzpistolen 4 und mit dem Ordonnanz-Sturmgewehr 0 Menschen getötet. Mit den gleichen Waffen im aktiven Dienst waren es 59.

23.
Tötungsdelikte mit Schusswaffen im Bereich der häuslichen Gewalt sind – insbesondere unter der Berücksichtigung des Waffenvorkommens und der Bevölkerungszahl – äusserst selten9. 2009 bis 2014 wurden jährlich durchschnittlich 48 Tötungsdelikte (alle Tatmittel) vollendet, 57% davon, also 28 Tötungsdelikte, geschahen im häuslichen Bereich, in wiederum 34% davon wurde eine Schusswaffe als Tatmittel verwendet – das entspricht 9 Tötungsdelikten.10

24.
Das «Jedes Opfer ist eines zu viel»-Mantra mag ein gutes moralisches Argument sein, nicht aber ein gesetzgeberisches. In der Gesetzgebung muss das Vorkommen von Risiko und Schaden gegenübergestellt und entsprechend massvoll müssen Regeln erlassen werden – ansonsten werden Mittel gebunden, die andernorts deutlich effektiver eingesetzt werden könnten.

25.
Die heute übliche kantonsübergreifende Überprüfung von Waffenerwerbsschein-Anträgen verhindert, dass Personen, denen im einen Kanton ein Waffenerwerbschein verweigert wurde, in einem anderen Kanton einen erhalten (Szenario Leibacher/Zug).

26.
Pro Jahr starben in der Schweiz zwischen 2006 und 2015 150 Menschen11 an den Folgen von Opioid-Konsum, also etwa 10 Mal mehr als durch die Folgen von Schusswaffengewalt – bei (mutmasslich) deutlich geringerem Vorkommen von Opioiden in Haushalten als von Schusswaffen. Interessant bei dieser Betrachtung ist, dass es durchaus opportun scheint, für die Legalisierung des Drogenkonsums zu sein und gleichzeitig nach Verschärfungen der Waffengesetze zu verlangen.

27.
Unbestreitbarer Fakt: Die Schweiz hat weder ein juristisches und noch ein gesellschaftliches Problem mit Schusswaffen.

Aspekte zum Waffenbesitz

28.
Über wie viele oder welche Waffen ein Waffenbesitzer verfügt ist für die Kriminalstatistik komplett unerheblich, solange der Erwerb rechtmässig erfolgt ist.

29.
Ob Waffen, wie etwa von Roger Schawinski befürchtet12, auch gegen die Regierung eingesetzt werden könnten, hängt im Wesentlichen vom Verhalten der Regierung und nicht von demjenigen der Waffenbesitzer ab.

30.
Kontakt zu Waffen und Munition ist Angehörigen folgender Staaten grundsätzlich verboten: Albanien; Algerien; Sri Lanka; Kosovo, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Türkei.13 Mindestens die Hälfte der Tötungsdelikte mit Schusswaffen werden von Ausländern begangen9.

Aspekte zu «Schengen»

31.
Bei der Abstimmung 2005 zum Beitritt zum Schengen-Abkommen garantierte der Bundesrat: «Nach wie vor braucht es jedoch für den Erwerb einer Waffe keinen Bedürfnisnachweis.» Es ist nun am Bundesrat, dieses Versprechen zu halten.

32.
Die Umsetzung der EU-Waffenrichtlinie liegt allein im Ermessen der Schweiz. Wir können feststellen, dass unser Waffengesetz alle Aspekte der EU-Waffenrichtlinie erfüllt und keine weiteren Anpassungen notwendig sind. Es gibt keine fremden Richter mit der Kompetenz, darüber zu urteilen.

Für mehr Argumente im Zusammenhang mit Schengen verweisen wir auf unsere «20 wesentlichen Gründe gegen eine Revision des Schweizer Waffenrechts»

Aspekte zum Schusswaffengebrauch und Schusswaffenarten

33.
Selbstjustiz (Rache und Sühne) ist niemals zu verwechseln mit Notwehr (Schutz des eigenen Lebens) und Notwehrhilfe (Schutz des Lebens Dritter) bei wesentlicher Gewalt, die gesetzlich ausdrücklich erlaubt sind.

34.
Gibt es Waffenbesitzer in der Schweiz, die keine Waffe besitzen sollten? Sicher. So wie es auch Fans gibt, die nicht an Fussballspiele gehen sollten. Oder Jugendliche, die am 1. Mai zuhause bleiben sollten. Oder Autofahrer, die nicht mit Autos fahren sollten. Auch beim Waffenbesitz gilt, dass bestraft wird, wer Gesetze verletzt und nicht, weil er Gesetze verletzen könnte.

35.
Seit geraumer Zeit wird versucht, über medial stetig wiederholte Schlagwörter wie «Halbautomaten» «Kalashnikov» oder «AR-15» zu erreichen, dass einzelne Waffentypen oder Waffenarten als besonders gefährlich oder «böse» empfunden werden. Dabei wird allein die Tatsache, dass die Mehrheit schlicht keine Ahnung von der Materie hat, schamlos missbraucht.

36.
Der Begriff «Halbautomat» umschreibt die Funktionsweise der Waffe. Jede Pistole, von der uralten Parabellumpistole aus Grossvaters Zeiten, bis hin zu modernen Sportpistole, ist eine halbautomatische Waffe. Halbautomatisch bedeutet, dass ein Teil der beim Abschuss der Patrone entstehenden Energie dazu gebraucht wird, die leere Patronenhülse aus der Waffe zu befördern und eine neue Patrone nachzuladen. Daran ist nichts besonders gefährlich oder aussergewöhnlich. Das ist auch keine Erfindung aus der Neuzeit. Die Schweizer Armee beispielsweise, führte die erste Pistole 1900 ein. Die Schweizer Sturmgewehre 57 und 90, welche privat gekauft werden oder von der Armee ins Privateigentum übernommen werden, sind ebenfalls Halbautomaten. Die Stigmatisierung der Funktionsweise einzelner Waffentypen oder gar spezifischer Modelle ist lediglich ein seit langem praktizierter Versuch von waffenfeindlichen Politikern, nicht mehrheitsfähige Waffenrechtsverschärfungen per Salamitaktik anhand einzelner Typen durch die Hintertüre durchzuboxen. Ein anderes prominentes Beispiel ist der Begriff «Pump Action» für Vorderschaftrepetierflinten.

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1 In Anlehnung an Artikel auf Querschüsse.at

2 Siehe Beitrag auf Wikipedia

3 Siehe Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung

4 «Das Bundesgericht hat im November letzten Jahres [Anm. 2006] bestätigt, dass zum Selbstbestimmungsrecht gemäss Europäischer Menschenrechtskonvention auch das Recht gehöre, über Art und Zeitpunkt der Beendigung des eigenen Lebens zu entscheiden; dies zumindest, soweit der Betroffene in der Lage ist, seinen entsprechenden Willen frei zu bilden und danach zu handeln. » Siehe Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung

5 Siehe Beitrag in «Schütze sich, wer kann – Mit Waffen gegen die Angst»

6 Siehe Artikel in der Basler Zeitung

7 Siehe Statistiken des Bundesamtes für Statistik (Suizidmethoden, Entwicklung und Assistierter Suizid nach Geschlecht und Alter)

8 Siehe Tabelle «Tötungsdelikt: Aufklärung und Vorjahresvergleich nach Tatmittel, 2009-2016» aus Polizeiliche Kriminalstatistik 2016

9 Vergleiche Tabellen «Häusliche Gewalt: Polizeilich registrierte Gewaltstraftaten nach Beziehung» und «Tötungsdelikt: Aufklärung und Vorjahresvergleich nach Tatmittel, 2009-2016»

10 Informationsblatt «Häusliche Gewalt und Tatmittel Schusswaffe»

11 Vergleiche Beitrag auf «Suchtmonitoring.ch»

12 Siehe Sendung «Schawinski» vom 6. November 2017

13 Siehe Waffenverordnung, Art. 12 Verbot für Angehörige bestimmter Staaten

Combattre les idées reçues : les arguments à faire valoir dans un débat sur les armes

Celui qui s’engage en faveur d’un droit libéral sur les armes doit toujours faire face aux mêmes préjugés : les lois sont trop laxistes. il y a beaucoup trop de décès dus aux armes... on n’est pas au Far-West… un droit moins restrictif entraînerait plus de suicides… en tant qu’amateur d’armes on doit forcément avoir un avis sur les meurtres collectifs… un propriétaire d'armes à feu suisse est de toute façon contre Schengen et défend un protectionnisme insupportable… en collaboration avec LEWAS (Legal Weapons Switzerland), l’action «Finger weg vom Schweizer Waffenrecht» a préparé un argumentaire pratique à utiliser lors de débats sur le droit aux armes.

SwissGuns a traduit (avec quelques aides qualifiés !) ce texte.

Auteurs
Beat Eichelberger, président de l’association LEWAS Legalwaffen Schweiz
Markus Mayer, vice-président LEWAS (pour les armes légales en Suisse)
Patrick Jauch, à la base de l’action Finger weg vom Schweizer Waffenrecht!

Les généralités en rapport avec la législation sur les armes1

1.
Les armes acquises légalement ne sont pratiquement jamais utilisées pour commettre des actes de violence.

2.
Les actes délictueux sont presque exclusivement le fait de criminels qui utilisent des armes acquises illégalement.

3.
Si l’on prétend combattre la criminalité, il faut s’attaquer aux criminels et à leurs armes illégales.

4.
Les lois sur les armes ne s’appliquent qu’à ceux qui les respectent (les propriétaires d’armes légales) et n’ont aucun effet sur les criminels.

Le mythe du Far-West

5.
Peut-on parler d’une norme en matière d’armes aux États-Unis ? Des territoires entiers sont soumis à une violence inimaginable, en relation avec les guerres de gangs, le trafic de drogue ou la traite d’êtres humains, qui vident des quartiers de leurs habitants. Les USA ont une longue tradition de puissance guerrière, qui entraîne peut-être culturellement une banalisation de la réponse par la force. Et effectivement, pour des raisons historiques, les citoyens sont autorisés dans certains Etats à porter des armes, en port dissimulé ou de manière visible (concealed ou open carry), pour se protéger d’éventuels actes de violences. Pas pour l’exercer.

6.
Le fameux mythe américain des armes n’est pas une réalité. Le droit sur les armes aux USA est empreint de fédéralisme, on compte plus de 20’000 lois sur les armes de toutes sortes, qui vont des plus libérales à des interdictions presque totales selon les villes ou les Etats2.

7.
Aux États-Unis (comme ailleurs…), il est impossible de mettre en évidence une relation entre les lois, restrictives ou plus permissives, et le nombre de crimes3. Le Maryland par exemple est un des états qui connaît le plus de violence, alors que sa législation est parmi les plus restrictives.

8.
Les discussions au sujet du droit sur les armes doivent se faire en regard de la portée (géographique, culturelle ou politique) de la dite réglementation. Nos lois sur la circulation routières ne se décident pas en fonction des accidents de la route à New Delhi ou à Bangkok.

La thématique du suicide

9.
Le suicide n’est pas un délit, mais un droit de l’être humain.4 Se suicider avec une arme à feu n’est pas plus un délit qu’avec n’importe quel autre moyen et ne constitue pas une infraction à la loi sur les armes. Il en découle que la réglementation sur les armes, qui selon la Constitution doit combattre les abus en matière d’armes, ne peut servir à la prévention du suicide.

10.
Chaque suicide est liée à une longue histoire personnelle, souvent refoulée, même si certains prétendent que cet acte peut être irréfléchi. Croire que la décision de se suicider peut être spontanée est tout simplement monstrueux5. Et il est détestable de voir que certains profitent de la fin d’un long chemin douloureux pour accuser les armes à feu d’être responsable des suicides. Ce n’est pas la disponibilité d’une arme qui va pousser au suicide, mais l’absence d’aide.

11.
L’Office fédéral de la statistique trahit la réalité, puisque depuis 2009 les suicides assistés ne sont plus pris en compte dans la statistique globale des suicides, mais décomptés séparément.6 Il s’agit pourtant bien de morts volontaires par empoisonnement.

12.
De 1995 à 2014, le nombre total de suicides (y compris les suicides assistés) a augmenté de 1419 à 17707, alors que dans le même temps le nombre de suicides par armes à feu baissait de 392 à 187, soit de 27 % à 10 % environ. Les moyens les plus utilisés en 2014 étaient l’empoisonnement (880 cas, soit 50 % des suicides), la pendaison (302 cas, 17%) et les armes à feu (187 cas, 10,6%). Près de 9 suicidés sur 10 utilisent d’autres moyens qu’une arme. On note une grosse différence entre les
sexes : 0,7 % des femmes seulement se suicident avec une arme à feu.

13.
La Suisse connaît un taux annuel de 12 suicides pour 100’000 habitants alors que des armes à feu sont disponibles dans 35 % des ménages. En Autriche, ce taux est de 16 / 100’000, pour une disponibilité de 9 % seulement. Au Japon enfin, le taux de suicide est de 23 / 100’000 pour une disponibilité nulle ! Il n’y a pas de corrélation entre le nombre d’armes disponibles et le taux de suicides.

Le nombre de suicides par armes à feu diminue fortement depuis 2003. Cela n’a aucun rapport avec les durcissements successifs de la loi sur les armes de 1999 et 2008, mais plus prosaïquement avec le fait que les suicides assistés (par empoisonnement donc) ont considérablement augmenté. Trivialement énoncé : on n’a plus besoin d’une arme pour en finir avec l’existence (voir le graphique ci-dessous).

14.
Il reste une question de fond : une personne peut-elle s’arroger le droit de décider si une méthode de suicide est acceptable pour une autre ?

Les achats d’armes

15.
Le nombre de permis d’acquisition d’armes (PAA) délivrés annuellement ne cesse d’augmenter. Les raisons probables de cet engouement sont les suivantes :
A) le soldat qui veut conserver son arme d’ordonnance à la fin de son service a désormais besoin d’un PAA (effet de la loi)
B) le tir sportif connaît un regain de popularité (peut-être grâce à nos champions)
C) les acheteurs craignent un durcissement de la loi sur les armes et réagissent en conséquence
D) certains ressentent plus le besoin de se protéger ou de protéger leur domicile

Les tueries de masse et la violence armée

16.
Les propriétaires d’armes légales n’ont pas à subir de stigmatisation collective au nom de leur hobby. Pas plus que les camionneurs, les aviateurs ou les musulmans.

17.
Un grand nombre de ces tueries (mass shooting) se produisent dans des endroits protégés (gun free zone) où il est interdit d’être armé (train, Paris,…) ou dans des lieux où des règles locales prohibent le port (église au Texas, club à Orlando / Floride, etc.). Les criminels et les terroristes cherchent à faire le maximum de victimes, là où il n’y a pas d’opposition.

18.
Il n’y a aucun rapport entre le nombre d’armes légales et les tueries de masse. Des pays comme la Suisse, la République tchèque ou la Finlande connaîtraient sinon beaucoup plus d'incidents de ce type. La stabilité sociale et économique joue un rôle bien plus important que la disponibilité des armes.

19.
Il y a plusieurs millions d’armes à feu en Suisse. Les propriétaires d’armes légales tirent annuellement plus de 100 millions de cartouches (source : armée suisse). S’il y avait un problème avec les propriétaires d’armes légales en Suisse, cela se saurait !

20.
Depuis 2006, la Suisse connaît en moyenne 42 meurtres ou tentatives de meurtres par année (dont 16 homicides avérés) par armes à feu8. Et ce avec 3 millions d’armes à feu au minimum dans ce pays, pour une population de 8,4 millions d’habitants. En comparaison, 105 meurtres ou tentatives sont perpétrés annuellement avec des armes blanches, couteaux ou poignards, pour un total de 218 meurtres ou tentatives (dont 49 homicides avérés).

21.
Depuis 2006, 17 personnes meurent en moyenne chaque année des suites d’actes de violence avec une arme à feu9, alors que 15 sont tués par des armes blanches.

22.
Depuis 2006, quatre homicides ont été perpétrés avec d’anciennes armes de poing d’ordonnance, contre zéro pour les anciens fusils d’assaut de l’armée. Les armes d’ordonnance d’active ont tué cinq personnes9.

23.
Les meurtres perpétrés par armes à feu dans le cadre de violences domestiques sont plutôt rares en regard de la disponibilité des armes et de la population9. Entre 2009 et 2014, on a compté en moyenne annuelle 48 homicides – tous moyens confondus – dont 57 % (28 cas) dans un cadre familial, et sur ce nombre il n’y en a que 34 % (9 cas) où des armes à feu sont utilisées.10

24.
Les pleurnicheries habituelles, les chaque mort est un mort de trop peuvent à la rigueur avoir force d’arguments moraux, mais en aucun cas servir de bases légales. La réglementation doit froidement tenir compte des risques pour la population. La réponse législative doit être adaptée, avec mesure, sinon une réponse purement émotionnelle engagera des moyens disproportionnés pour combattre un vecteur, au lieu d’être engagés là où ils seraient plus efficaces.

25.
Les demandes de permis d’acquisition d’armes sont actuellement analysées au niveau supra-cantonal, une personne à qui un PAA a été refusé dans un canton ne pourra pas en recevoir un dans un autre canton (scénario Leibacher, Zoug 2001).

26.
Entre 2006 et 2015, 150 personnes en moyenne11 sont décédées chaque année suite à une surconsommation d'opioïdes, ce qui représente 10 fois plus de victimes que par la violence exercée avec des armes à feu – on peut supposer que les armes sont plus facilement accessibles dans les ménages que les opioïdes. Ce n'est pas le moindre paradoxe que de constater que les mêmes personnes qui militent pour une légalisation des drogues exigent en parallèle un durcissement de la législation sur les armes…

27.
Un fait est indiscutable : la Suisse n’a pas de problème particulier avec les armes, ni juridique, ni sociétal.

La possession d’armes

28.
Tant qu’un achat d’armes est fait dans la légalité, le nombre et le type d’armes que possède un amateur d’armes ne joue statistiquement aucun rôle du point-de-vue de la criminalité.

29.
Pour répondre au journaliste alémanique Roger Schawinski12, qui craint que des armes puissent être utilisée contre le gouvernement, il est certain que ce risque dépend plus du comportement de nos autorités que de celui des amateurs d’armes.

30.
Les ressortissants des pays suivants ont l’interdiction de posséder des armes ou des munitions : Albanie, Algérie, Sri Lanka, Kosovo, Macédoine, Bosnie-Herzégovine, Serbie, Turquie13. Une bonne moitié des homicides perpétrés avec des armes à feu sont commis par des étrangers9.

Et Schengen ?

31.
Lors de la votation de 2005 pour faire partie des accords de Schengen, le Conseil fédéral garantissait : en matière d’achat d’armes, il ne sera jamais nécessaire de faire la preuve du besoin. Nous demandons au Conseil fédéral de tenir ses promesses.

32.

La mise en œuvre de la directive européenne sur les armes relève exclusivement de la compétence de la Suisse. On constate que notre loi sur les armes répond aux principales exigences de la directive sur les armes de l'UE, aucun durcissement n'est nécessaire. Et surtout, les juges étrangers ne sont pas compétents sur notre territoire.

Vous trouverez des arguments plus détaillés en rapport avec Schengen dans l’article précédent : 20 raisons de refuser la révision de la loi sur les armes.

Par rapport aux types d’armes et à leurs utilisation

33.
Il ne faut pas confondre l’auto-défense (vengeance ou vendetta) avec la légitime défense (protection de sa vie) et l’état de nécessité (protection de la vie d’autrui) lors d’attaques violentes. Les deux derniers points sont explicitement autorisés par la loi.

34.
Y a-t-il en Suisse des personnes qui ne devraient pas posséder d’armes ? C’est certainement le cas. De la même manière qu’il y a des fans de football qui devraient être interdits de stade. Ou des jeunes qui devraient rester chez eux le 1er mai. Ou des automobilistes à qui on devrait retirer le permis. La loi sur les armes fonctionne comme toutes les autres lois : on punit celui qui enfreint la loi, pas celui qui est éventuellement susceptible de commettre une infraction.

35.
Depuis quelques temps, les médias s’attachent à faire les gros titres avec des termes comme "semi-automatiques" , "kalachnikovs" ou "AR-15" , dans le but évident de faire croire que certaines armes ou certains type d’armes seraient particulièrement dangereux. Les journalistes abusent sans vergogne du fait que la majorité de leurs lecteurs n’a aucune idée de la question.

36.
Semi-automatique décrit uniquement le mode de fonctionnement d’une arme. Chaque pistolet, du Parabellum de l’arrière grand-père aux pistolets de sport modernes est en semi-auto. Cela signifie simplement qu’une partie de l’énergie (recul ou gaz) est récupérée pour éjecter la douille vide après le tir et alimenter la cartouche suivante. Il n’y a dans ce principe rien d’extraordinaire ni de particulièrement dangereux. Et ce n’est pas une invention récente : l’armée suisse a introduit son premier pistolet semi-automatique en 1900 déjà. Les fusils d’assaut 57 ou 90 lorsqu’ils sont remis à leurs propriétaires après le service sont bridés, d’automatique (rafales) à semi-automatique. Les politiciens contre les armes tentent de stigmatiser certaines armes voire certains modèles à cause leur mode de fonctionnement. Ce n’est rien moins que leur bonne vielle tactique du « salami » pour essayer d’introduire chaque fois de nouvelles restrictions. Comme celles que le peuple a refusé le 13 février 2011. L’exemple des « fusils à pompe » est une autre de ces tentatives pour faire croire qu’une arme peut être plus dangereuse qu’une autre.

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1 En relation avec l’article de Querschüsse.at

2 Voir la contribution de Wikipedia

3 Voir l’article dans Neue Zürcher Zeitung

4 Lire l’article de la Neuen Zürcher Zeitung

5 Article «Schütze sich, wer kann – Mit Waffen gegen die Angst»

6 Article de la Basler Zeitung

7 Voir les statistiques de l’Office fédéral de la statistique (Suizidmethoden, Entwicklung und Assistierter Suizid nach Geschlecht und Alter)

8 Voir le tableau «Tötungsdelikt: Aufklärung und Vorjahresvergleich nach Tatmittel, 2009-2016»de la statistique policière criminelle de 2016

9 Comparaison des tabelles «Häusliche Gewalt: Polizeilich registrierte Gewaltstraftaten nach Beziehung» et «Tötungsdelikt: Aufklärung und Vorjahresvergleich nach Tatmittel, 2009-2016»

10 Feuille d’information «Häusliche Gewalt und Tatmittel Schusswaffe»

11 Vergleiche Beitrag auf «Suchtmonitoring.ch»

12 Voir l’émission «Schawinski» du 6 novembre 2017

13 Voir OArm, Art. 12: Interdiction pour les ressortissants de certains Etats