Ähnlich wie die Aktion «Finger weg vom Schweizer Waffenrecht!» startete auch No-Billag als eine Art Graswurzelbewegung. Und sie hat es mittlerweile maximalweit gebracht. Es findet ein öffentlicher Diskurs über eine Frage statt, die vor No-Billag höchstens im engsten Kreis diskutiert wurde. Aktuell zeigen sich reihenweise Billag-Profiteure einsichtig und reuig, bis hinauf zu den Bundesräten. Sogar die Operation Libero muss nochmals ins Feld ziehen, um das Undenkbare zu verhindern.

Vor dem Mut und dem persönlichen Engagement der No-Billag-Initianten sollte man den Hut ziehen. Sie – und nicht etwa SRF – stehen für die direkte Demokratie in diesem Land. Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, kann sich bis zu den vermeintlich Höchsten im Lande Gehör verschaffen und vielleicht dank gewonnener Mehrheiten gar eine altgediente Institution in die Knie zwingen. Ja, so funktioniert wahre Demokratie, so geht die Herrschaft des Staatsvolkes. Was jetzt stattfindet, ist ein nationaler Diskurs, wie er für die Schweiz typisch ist. Die Billag ist allerdings auch kein Befehl aus Brüssel, bei dem die eine Seite hervorragende Argumente für eine Abschaffung vorbringt und die andere Seite einfach sagt: Wir sind dafür, weil es die EU halt befiehlt. Nein, No-Billag ist Schweiz pur. No-Billag ist längst eine Metapher für das, was verloren geht, wenn die direkte Demokratie stirbt. Ob Operation Libero, SP, SVP, Gewerbeverband, ob Tages Anzeiger, WoZ oder Basler Zeitung, egal ob pro oder contra: Sie und wir alle dürfen nicht vergessen, dass No-Billag exakt das Herz und die Seele des schweizerischen Demokratieverständnisses verkörpert. Jeder einzelne kann es schaffen, eine Mehrheit zu finden, um damit etwas Grosses zu verändern. Das ist fantastisch.

Was hat die Billag mit dem Waffenrecht zu tun?

Nun ist die Frage, ob man pro oder contra No-Billag ist, letztlich eine sehr persönliche und auch nicht direkt Gegenstand vorliegender Prosa. Es soll viel mehr um etwas Grundsätzliches gehen. Das Lager gegen die No-Billag-Initiative huldigt das Staatsfernsehen, das verfassungsmässig verordnet nach dem Neutralitätsprinzip zu funktionieren hat. Ohne das Schweizer Staatsfernsehen sterbe die Demokratie, wie wir sie kennen, heisst es, No-Billag zerfleddere unseren inneren Zusammenhalt. Ohne staatliche Verordnung würden die (rechten) Reichen in diesem Land einfach die Meinungsmache kaufen – ein Horrorszenario à la «Fox News» in den USA, mit Rupert Murdoch als Teufel in der Hauptrolle. Ein wortwörtlicher Ausverkauf der Schweizer Grundwerte würde ohne die Billag ausgerufen. Ohne SRF mutierte das Schweizer Volk offenbar zur Schafherde ohne Schäfer. Man kann dieser Meinung sein, muss aber nicht.

Was hat nun No-Billag mit dem Waffenrecht zu tun? Auf den zweiten Blick leider sehr viel. Wohl kein Schweizer Waffenbesitzer wird sich an eine wohlwollende Berichterstattung in einem SRF-Medium rund um privaten Waffenbesitz erinnern. Im Gegenteil. Seit Jahren findet ein regelrecht konzertiertes Bashing gegen alles statt, was mit Privatwaffenbesitz auch nur im Entferntesten zu tun hat. Zuletzt in krassem Ausmass im März 2016 als SRF, just um die Waffenbörse in Luzern herum, mit dem DOK «Schütze sich wer kann – mit Waffen gegen die Angst» und anschliessend im Club «Hände hoch – die Schweizer rüsten auf!» implizit belegte, welche Haltung das Staatsmedium vertritt (vgl. unser Artikel). Eine Machtdemonstration vom Feinsten. Es gab seit Jahren keinen Einspieler, keinen Beitrag, keine Sendung, die nicht einige hunderttausend Waffenbesitzer in diesem Land als debile Volltrottel darstellte. Grundlos, wohlgemerkt.

SRF (nöd) bi de Lüt?

Wann strahlte die Tagesschau am Sonntagabend einen Beitrag aus, dass das eidgenössische Feldschiessen erneut mit grossem Erfolg durchgeführt werden konnte? Sie erinnern sich nicht? Da sind Sie nicht allein. Auf die regelmässig abgeschickten Reklamationen und Beanstandungen, ob SRF etwa nicht «Bi de Lüt» war, kommen immer die selben dünnen Antworten. Aber hey, es ist ja nur einer der grössten wiederkehrenden nationalen Anlässe der Schweiz. Nur ist er halt eben nicht stramm auf der Linie des SRF oder nicht von Relevanz, je nach dem, wen man fragt.

Kennt in der Schweiz irgendjemand ausserhalb unserer Szene Christine Burkhalter, die letztes Jahr in Frankreich Weltmeisterin im IPSC-Schiessen wurde? War sie unter den Nominierten der Sportlerinnen des Jahres? Kaum. Gab es in Glanz&Gloria mal eine Homestory über Christine? Kam irgendwann einmal ein Beitrag über eine IPSC-Schweizermeisterschaft? Kennt überhaupt irgendjemand IPSC? Schon mal eine Zusammenfassung eines Trap- oder Skeet-Concours gesehen? Nein. Über ein eidgenössisches Schützenfest mal einen lässigen 10-vor-10-Beitrag mitgekriegt? Fehlanzeige. Oder einen «Einstein»-Beitrag über Long-Range-Schiessen und die Corioliskraft? Wohl kaum. Oder glauben Sie etwa, dass die wilden Waffenfuchtler im «Bestatter» je ein Training erhalten haben? Oder gar der Requisitenbeschaffer, der jeweils einen bunten Waffenmix dessen zusammenstellt, was er persönlich wohl für besonders hübsch hält? Nein, denn – uuuuhhhh! – die Waffen sind wohl einfach zu böse, um sich ernsthaft mit ihnen zu beschäftigten. Und eben: alles weltanschauungsmässig nicht ganz stramm auf SRF-Linie. Die Leidenschaft der Schweizer zu ihren Waffen existiert für SRF nicht, weil sie schlicht nicht existieren darf.

Bringt SRF die Schweiz auf Linie?

Deswegen eine kecke Behauptung: Würden Beiträge über genannte Sportarten im Fernsehen nur halb so euphorisch kommentiert und halb so oft ausgestrahlt, wie irgendeine Bobschlitten-Abfahrt in irgendeinem Wintersportort, könnten sich die Vereine landauf und landab nicht vor neuen Mitgliedern retten und neue Schiessanlagen würden aus dem Boden ploppen. Wenn diese Behauptung stimmt, dann beeinflusste SRF gesellschaftliche Entwicklungen nach ihren eigenen Weltanschauungsprinzipien. Tut SRF also genau das heute schon, wovor die Gegner der No-Billag-Initiative so beherzt warnen? Vielleicht etwas subtiler und mit mehr als nur einem Murdoch im Hintergrund – und dennoch bewusst und somit zielgerichtet? Bringt uns SRF auf Linie?

Ein Schweizer Waffenbesitzer bezahlt nun also die rund 400 Franken pro Jahr auch dafür, dass sein Hobby oder gar seine Leidenschaft redaktionell geächtet und sogar mit hoher Reichweite medial angeprangert wird. Eines ist sicher: Die verfassungsmässig eingeforderte Ausgewogenheit in der Berichterstattung gilt definitiv nicht für Waffenbesitzer. Und zwangsläufig muss man sich nun fragen, gilt sie etwa auch für andere nicht, deren politischer Einfluss bei SRF nicht genügt? Wie weit her ist es tatsächlich mit der Neutralität und wo verläuft die Grenze zwischen der Ignoranz gegenüber unliebsamem «Content» und bewusst betriebener Propaganda? Es ist die Frage dieser Tage.

Ein Leben als Billag-Zahler auf der falschen Seite der Propaganda

Als politisch bürgerlich orientiertem, Waffen besitzenden und schiessenden Schweizer Bürger spürt man die Macht des Staatsfernsehens wie wohl kaum ein zweites Billag-Zahlersegment. Ausgewogen und barrierefrei ist SRF überall dort, wo es seinem «Way of Life» dient. Einseitig und ausgrenzend ist es gegenüber dem, was nicht sein soll?

Nun wäre das ja nicht weiter schlimm, wenn es einen zweiten Schweizer Sender gäbe, der mit vergleichbarer Reichweite und Qualität anders zu berichten wüsste. Ein Gegenpol, eine Antithese, eine Alternative, die mediale Koexistenz. Aber die kann es nicht geben, weil (auch) Waffenbesitzer mit ihrer Steuer die monopolistische Propaganda gegen sie so massiv mitfinanzieren müssen, dass realistischerweise daneben nichts Zweites keimfähig sein kann. Das ist ein staatlich ziemlich genial eingefädeltes Muster. Selbst wer regelmässig gegeisselt wird, bezahlt unter Strafandrohung brav den Obolus. Somit unterstützen Waffenbesitzende in der Schweiz den bevorstehenden EU-Krieg gegen unser Recht als unbescholtene Bürger, in dem sie 400 Franken pro Jahr in die SRF-Streitkasse einzahlen. Denn eine «ausgewogene» oder gar wohlwollende Berichterstattung können Legalwaffenbesitzende indes als Gegenleistung wohl vergessen. Dafür fehlen schlicht die Belege.