Kurz nach der Veröffentlichung des Artikels «Der Feind in meinem Portemonnaie: Beschleunigt die Billag unsere Entwaffnung durch Bern und Brüssel?» (Beitrag lesen…) schrieb uns der stellvertretende Redaktionsleiter und Themenplaner «Schweiz aktuell», Herr Michael Weinmann, ein freundliches Mail mit der Anfrage, ob der Artikel mit ein paar SRF-Fakten kommentiert werden könnte. Die Aktion «Finger weg vom Schweizer Waffenrecht!» hat daraufhin Herrn Weinmann vorgeschlagen, doch gleich einen ganzen Beitrag mit der Replik zu publizieren. «Warum das?» mögen sich einige fragen, denen unser Artikel aus dem Herzen gesprochen hat.

Ein ganz wesentlicher Kern unseres Widerstandes gegen die geplante Waffenrechtsverschärfung in der Schweiz ist, dass sie auf ein Diktat aus dem Ausland hin erfolgt. Die sich nun in vollem Gange befindliche Debatte wurde von Brüssel befohlen und somit wird die EU konkrete Beeinflusserin unserer demokratischen Prozesse – bei typisch schweizerischen Fragen. Die vorliegende Waffenrechtsverschärfung wäre aus innerschweizerischem Antrieb so niemals aufs Tapet gekommen. Andere Angriffe vielleicht schon, darunter vielleicht sogar halbwegs nachvollziehbare, aber kaum die stupide Forderung eines Verbots von ein und derselben Waffe, je nach dem, ob ein 10- oder ein 11-Schuss-Magazin eingesetzt ist. Das wäre Schweizerinnen und Schweizern zu dumm – zugegeben, das ist reine Mutmassung.

Die Replik von Michael Weinmann im Kontext der NO-BILLAG-Debatte ist typisch für die Schweiz. So, wie die NO-BILLAG-Initiative selbst. Und deshalb hat sie hier auch einen prominenten Platz verdient. Das Streben nach einer faktenbasierten Diskussion, kurze Wege zwischen Kontrahenten, die Konsensfähigkeit und der (wohl meistens) vernünftige Umgang mit den Ressourcen der Demokratie zeichnen die Schweiz aus. Ebenso wie die offene Anfrage, der gute Mail-Kontakt und die Qualität der Replik von Michael Weinmann sehr typisch für die Schweiz sind. Das ist die Antwort auf die eingangs erwähnte Frage «Warum das?»: Wir sind die Schweiz.

 

Der Feind in meinem Portemonnaie: Beschleunigt die Billag unsere Entwaffnung durch Bern und Brüssel?

Replik von Michael Weinmann, stv. Redaktionsleiter und Themenplaner «Schweiz aktuell»

Auf der Internetseite «finger-weg-vom-schweizer-waffenrecht.ch» ist kürzlich ein Artikel publiziert worden unter dem Titel «Der Feind in meinem Portemonnaie». Ich habe diesen Text mit Interesse gelesen. Ein Absatz hat mich dabei besonders irritiert. Es handelt sich um die unter dem Zwischentitel «SRF (nöd) bi de Lüt».

Als Themenplaner von «Schweiz aktuell» bin ich konstant involviert in die Planung von Beiträgen bei uns aber auch bei den anderen Sendungen. Die pauschale Aussage, dass SRF nicht über den Schiesssport berichtet und diesen sogar «redaktionell ächtet», ist eindeutig falsch. Ich erlaube mir, eine Auswahl an Beispielen zu nennen, die dies aufzeigen.

5.1.2018 Echo der Zeit: Anlass ist das EU-Waffengesetz. Die Journalistin besucht einen Schweizer Schiesskeller und spricht mit Schützinnen und Schützen, aber auch mit verschiedenen politischen Seiten.

8.11.2017 Schweiz aktuell: Die Sendung berichtet ausführlich über das historische Rütlischiessen. Im Beitrag geht es vor allem um die Freude und Leidenschaft der Teilnehmenden. Zudem wird erklärt, worum es beim Schiessen geht.

28.6.2015 Tagesschau: Die Tagesschau berichtet über die grosse Teilnehmerzahl (Über 60 Formationen). Dazu sendet die Tagesschau einen ausführlichen Bericht über die Auslandschweizer am Schützenfest.

11.6.2015 Schweiz aktuell: Da war ich persönlich vor Ort und habe mit Urs Weibel, dem Generalsekretär des Schützenfestes gesprochen. Im Interview erklärt er zum Beispiel, wie man die Sicherheit im Umgang mit den Waffen gewährleistet. Zudem setzt ein zweieinhalbminütiger Beitrag uf die jungen Schützinnen in den Fokus. Ich mag das Wort «wohlwollend» bei journalistischen Produkten nicht. Aber hier dürfte der Begriff, wie er im Text verwendet wird, nicht ganz fehl am Platz sein.

16.5.2015 Sport aktuell berichtet anlässlich des Eidgenössischen Feldschiessens über den Brauchtumssport Schützenfest. Die Sendung begleitet den FC Thun in den Schiesstand. Dabei geht es um die Verbindung von Treffsicherheit beim Schiessen mit der Waffe und auf dem Platz.

Schon den ganzen Winter über berichtet SRF im Übrigen über den Biathlon Mehrkampf. Zuletzt am 21.1.2018 vom Weltcup in Antholz.

Diese Beispiele sind nur ein Auszug. Sie zeigen aber, dass SRF sehr wohl über den Schiesssport berichtet. Selbstverständlich berichtet SRF auch kritisch über den Umgang mit Waffen. Das gehört zu einer ausgewogenen, unabhängigen Berichterstattung dazu. Wichtiges Gebot zu jedem Zeitpunkt ist die Sachgerechtigkeit. Dazu gehört auch, Anschuldigungen zu verifizieren.

Mit meinen Ausführungen möchte ich die entsprechenden Aussagen im veröffentlichten Artikel gerne widerlegen. Im Minimum liefere ich aber eine Antwort auf die gestellte Frage, wann die Tagesschau zum letzten Mal an einem Sonntagabend über den Erfolg eines Schützenfestes berichtet hat. Es war am 28. Juni 2015, ein Sonntagabend. Dass es seither keinen Bericht über ein Schützenfest mehr gab, ist nachvollziehbar. Das nächste Schützenfest findet nämlich erst 2020 in Luzern statt.