Seit im Juni 2017 ein neuer, achtköpfiger Vorstand die Leitung übernommen hat, ist bei unserem geschätzten Supporter PROTELL kaum ein Stein auf dem andern geblieben, so scheint es wenigstens. Ist das reiner Aktionismus – oder zieht unter der Präsidentschaft von Brigadier a D Hans-Peter Wüthrich nun Professionalität in den 40-jährigen Verein ein? Soviel vorneweg: Diese Frage war rhetorisch.

«Unter jedem Stein, den wir im Tagesgeschäft anheben, wartet eine grössere oder kleinere Herausforderung auf uns», sagt Wüthrich im exklusiven Gespräch mit der Aktion «Finger weg vom Schweizer Waffenrecht!» Und das in einer Zeit, in der PROTELL bereits mit der Herkulesaufgabe beschäftigt ist, den Angriff der EU auf das Schweizer Waffenrecht abzuwehren. Als ehemaliger Brigadier ist sich Wüthrich eigentlich eine funktionierende Organisation gewöhnt oder mindestens eine, die sich effizient und rasch an neue Anforderungen anpassen lässt.

Mit Kampfeslust alleine gewinnt man keinen Krieg

«PROTELL hat zwar in den letzten 40 Jahren zweifellos viele Anstrengungen gegen Waffenrechtsverschärfungen unternommen, wurde aber nicht wie eine moderne Organisation konsequent ständig weiterentwickelt», so die Einschätzung Wüthrichs. Dies sei jetzt, beim angestrebten Wachstum, eine erstzunehmende Hypothek. «Wenn wir künftig zwei bis drei Mal so viele Mitglieder aktiv bewirtschaften wollen, braucht es mehr als nur Kampfeslust und Streitparolen.» Wüthrich verweist auf einige Grossbaustellen, die derzeit mehrheitlich zur «Chefsache» erklärt wurden und es klingt, als würde er von der Reorganisation einer Grossbank sprechen: Dislokation der Geschäftsräumlichkeiten von Sisseln/AG ins Herz der Berner Altstadt, in unmittelbare Nähe des Bundeshauses; Aufbau einer professionellen Kommunikation mit einer ausgewählten Markenagentur; personelle Neubesetzung des Sekretariats; Neugestaltung zentraler Prozesse und nicht zuletzt der Aufbau einer professionellen CRM-Lösung, mit der IT-seitig die Mitglieder auch effizient erreicht und bedient werden können. Es wird bei PROTELL offensichtlich in die Zukunft investiert. Allein diese Projekte seien für eine Milizorganisation äusserst anspruchsvoll, daneben würden aber auch noch eine Handvoll kleinere Aufgaben die Aufmerksamkeit des Vorstands erfordern. «Wenn wir diese Challenge nicht annehmen, wird PROTELL niemals zu dem werden, was unsere Mitglieder und die Waffenbesitzerinnen und Waffenbesitzer in der Schweiz von uns erwarten» ist Wüthrich überzeugt.

Engagement auf vielen Ebenen

Neben den beschriebenen, eher unternehmerischen Aufgabenstellungen, ist PROTELL höchst aktiv im Kampf gegen die Übernahme des EU-Waffenrechts und zeigt sich entsprechend selbstbewusst. Damit verbunden sind auch die Präsenzen an den Waffenbörsen in Lausanne und Luzern sowie demnächst an der «Fischen Jagen Schiessen 2018». Es gehe jetzt darum, «PROTELL 2.0» spüren zu können, sagt Wüthrich. Mitglieder und solche, die es noch nicht sind, sollen Vertrauen gewinnen, sollen sehen, dass ein neuer Wind bei PROTELL weht. Unter Hochdruck entwickelte PROTELL einen neuen, hellen und ästhetischen Auftritt mit viel «Swissness», der die Marke neu repräsentiert. «Ein neuer Auftritt stand eigentlich nicht zuoberst auf unserer Pendenzenliste, aber als wir realisierten, mit welchem Material wir an die Messen hätten ziehen oder Dokumente erstellen müssen, sahen wir plötzlich riesigen Handlungsbedarf – denn was wir sahen, hatte nichts mit unserer Vorstellung von PROTELL zu tun», sagt Wüthrich. Die Vernehmlassungsantwort zum neuen Waffengesetz zeige perfekt wie PROTELL heute ticke: Aussen hui und innen hui. Auch hier macht der Präsident Aussagen wie ein CEO: «Wer handgestrickt daherkommt, wird handgestrickt wahrgenommen.» PROTELL ist keine nationalkonservativ vor sich hin wurstelnde Hinterhoforganisation, sondern entwickelt sich nun zur Interessenvertretung aller waffenbesitzenden Schweizer Bürgerinnen und Bürger. Diesen Anspruch gelte es auf politischer, juristischer, gesellschaftlicher, medialer und kultureller Ebenen zu erfüllen, unterstreicht Wüthrich. Auf die Frage, ob damit der Karren nicht etwas überladen werde, sagt Wüthrich schmunzelnd: «Wer Ziele anstrebt, wird nicht so schnell vom Weg abkommen.»

Einige Probleme weiterhin ungelöst

Der Wechsel vom in globo abgewählten alten zum neuen Vorstand verlief nicht ohne Reibung und Misstöne, was allerdings auch nicht weiter überrascht. Was sich jedoch als grosse Herausforderung zeigte, war die IT-seitige Bearbeitung der Mitgliederdaten. «Jeder Informatiker wird bestätigten, dass die Kontaktbewirtschaftung immer eine grosse konzeptionelle und technische Aufgabe darstellt» betont Wüthrich. Je besser und transparenter das Ursprungssystem gemanaged wurde, um so einfacher und fehlerfreier gestalte sich die Überführung in ein neues System. Die frühere, proprietäre Mitgliederverwaltung habe den neuen Vorstand vor grosse Schwierigkeiten gestellt – wobei gleichzeitig Unmengen neuer Mitgliedschaftsanmeldungen eintrafen. «Es war, wie ein Loch im Ruderboot zu haben und dann beginnt es auch noch zu regnen! Wir konnten ohne Personal und ohne IT einfach nicht angemessen auf die fast 2000 neuen Mitgliederanfragen reagieren – keine Chance» gibt Wüthrich zu. Nun sei man peu à peu daran, die Pendenzen aufzubereiten, wobei gerade jetzt der Entscheid gefallen ist, eine neue CRM-Software zu evaluieren und einzuführen. «Gerade in einer Milizorganisation ist Effizienz alles», sagt der Brigadier a D, «und unser Sekretariat arbeitet mit zusätzlicher Unterstützung von aussen am Interessentenmanagement.» Auch in diesen Sätzen merkt man: PROTELL ist Mitten im Wandel. Der Vorstand sei immer noch klar über seinen zeitlichen Möglichkeiten engagiert seit der Übernahme im Juni 2017 – die Belastung entsprechend sehr hoch. Aber «Enthusiasmus ist ein starker Motor» sagt Wüthrich und das Ziel sei, PROTELL fit fürs politische und gesellschaftliche Parkett zu machen. «Wir sind hier darauf angewiesen, dass wir auf ein gewisses Vertrauenspolster zählen dürfen. Wir können im Moment noch nicht überall so sein, wie wir gerne würden, aber wir arbeiten daran.» Und man ist geneigt, einem überzeugten und überzeugenden Hans-Peter Wüthrich zu glauben, was er sagt.

Waffenbesitz als Politikum

Das Thema Privatwaffenbesitz ist in der Schweiz auf dem politischen Parkett seit jeher fest verwurzelt. Nicht nur, weil das Prinzip der Milizarmee natürlich auch ein politisches Traktandum ist, sondern auch, weil viele Politikerinnen und Politiker sich zum Schiesssport bekennen und zwar aus fast allen Lagern. PROTELL ist mit dem Walliser Juristen, SVP-Politiker und Vizepräsidenten Nationalrat Jean-Luc Addor im Bundeshaus vertreten. Auch existiert eine parlamentarische Gruppe mit über 50 Mitgliedern, die sich dem Erhalt des Schweizer Waffenrechts verschrieben hat – für deren Gründung hat sich PROTELL sehr engagiert. «Als Kampagnenleiter bei der Gripen-Abstimmung und zuvor bei der Waffeninitiative 2011 bin ich in Bundesbern natürlich bestens bekannt. Zusammen mit Jean-Luc geniesst PROTELL einen guten und auch weitestgehend wohlwollenden Kontakt ins Bundeshaus» betont Wüthrich, «dieser ist zwar wichtig, aber nur mit einer wirklich starken Mitgliederbasis können wir unseren Einfluss auch unterstreichen». Für Wüthrich ist unverständlich, warum nicht jeder Waffenbesitzende in der Schweiz Mitglied bei PROTELL sei, «an der riesigen Konkurrenz kann es ja wohl nicht liegen» schmunzelt Wüthrich. «Fünfzig Franken pro Jahr als Streitkassenbeitrag seien ja nun wirklich vertretbar». Dafür bekomme man sogar noch eine bei Behörden bereits gefürchtete Rechtsschutzversicherung bei Waffenrechtsstreitereien und an den Generalversammlungen einen hervorragenden Meetingpoint mit Gleichgesinnten. «Hätte PROTELL heute 100‘000 Mitglieder, gäbe es in Bern wahrscheinlich keine Diskussionen wegen EU-Waffenrecht», ist Wüthrich überzeugt «aber vielleicht rüttelt ja diese bevorstehende Schlacht der Schlachten die Waffenbesitzenden auf.» Zu hoffen wäre es – so hätte der Angriff aus Brüssel auch etwas Gutes.

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