Angenommen – rein hypothetisch natürlich – an amerikanischen Schulen grassierten Brände, die durch eine nachweislich unselige Kombination aus Kabelbrand und einem bestimmten, antiquierten Isolationsmaterial entstehen – Altlasten früherer Bauweise. Die Medien fordern schon seit Jahren die Regierung auf, endlich zu handeln.

Es dauert Jahre bis – vor allem grosse – Gebäude saniert sind und mehrere Tausend Schulhäuser sind von diesem Baumangel betroffen, verteilt über das ganze Land. Fast jeden Monat brennt ein Schulhaus lichterloh, insbesondere während der immer grösser werdenden physikalischen Belastungen im Schulbetrieb. Man erfährt aus der Presse grauenvolle Stories von Lehrern, die sich vor die Schüler stellen, um sie mit der eigenen Haut vor den Flammen zu schützen. Trotz ausgeklügelter «Run Hide Tell»-Strategien sterben immer wieder Menschen – vorallem Kinder und Jugendliche – qualvoll. Die Feuerwehr ist wegen der teils enorm weiten Anfahrtswege oft zu spät am Brandplatz und manchmal brennen die Gebäude derart lichterloh, dass sich die ersten Feuerwehrleute auf Platz weigern, sich in die Flammen zu stürzen, um die schreienden Schüler und Lehrer zu befreien. Eben erst wurde ein Feuerwehrmann entlassen, weil er sich weigerte, ohne weitere Unterstützung in ein Schulgebäude zu stürmen.

Die Regierung weigert sich nun aber, Schulen mit wirksamen Warn- und Schutzsystemen auszurüsten oder die Gebäude zu sanieren. Ebenso will sie Lehrer nicht in der Brandbekämpfung unterrichten lassen und ihnen tatsächlich wirksame Mittel zum Schutz von Menschenleben zur Verfügung zu stellen. Auch gut geschultes und ausgerüstetes Brandschutzpersonal an die Schulen zu delegieren, kommt für die Administration nicht in Frage. Diese Massnahmen seien zu teuer und man wolle diese Personen nicht zusätzlichen Gefahren aussetzen, heisst es.

Stattdessen verbietet die Regierung das gefährliche Isolationsmaterial, jedoch nur in öffentlichen Gebäuden. Die Wirksamkeit des Verbotes wird allerdings in vielen politischen Kreisen als unwirksam eingeschätzt. Das Material ist ja bereits verbaut.

 


Die Frage hinter dieser Analogie: Wie weit dürfen sich Massnahmen zur Bekämpfung eines Problems vom Kausalitätsprinzip von Ursache und Wirkung entfernen? Wie lange hält ein Moralkodex an, wenn er nachweislich Menschenleben kostet? Spannende Fragen, mit denen sich Medienschaffende tatsächlich beschäftigen könnten, wenn sie die Empörung über die Idee, Lehrer zu bewaffnen oder vermehrt bewaffnetes Personal an US-Schulen zu beschäftigen, ablegen würden. Was bleibt ist die Tatsache, dass Attentate an Schulen in hoher Regemässigkeit auftreten und in den USA kaum jemand etwas Wirksames dagegen tut. Während in der Schweiz immer mehr Schulgebäude mit Panikschlössern und Warnlautsprechern ausgerüstet werden und die Kantone auf Früherkennung setzen, ist das in den USA vielerorts noch Wunschdenken. Stattdessen will man zum Schutz der Schulen im ganzen Land halbautomatische Waffen verbieten, die sich bereits millionenfach in Privatbesitz befinden und ein Waffengesetz revidieren, dass kulturell tief verankert ist und in etwa 20’000 Ausprägungen im ganzen Land vorliegt. Das ist etwa so, wie wenn man einen Stausee vor dem Überschreiten seines kritischen Niveaus sichern wollte, in dem man versuchen würde, den Regen am Fallen zu hindern.